Papas letzte Monate 

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27.8.2012

Will diese Woche 1 Tag zu meinen Eltern fahren, geplant war morgen, nun kann L. nicht, weil er morgen ein Übernachtungsevent bei den Nachbarn im Zelt geplant hatte, mit Party davor, da muss er da sein. Bei meinem Vater muss das Dach gerichtet werden (Bungalow), das geht nicht im Regen. Glaube, Donnerstag ist kein gutes Wetter, und Mittwoch können meine Eltern nicht.

Die Übernachtung von L. ist nun vielleicht doch heute Abend, dann kann ich morgen nach Ingolstadt.

 

28.8.

Papa hat einen Hexenschuss. L. hat sich schrecklich aufgeführt, so dass Mutti nicht mit ins Restaurant gegangen ist… War alles saublöd. Waren mit Papa dann beim Griechen, er saß an der Sonne, mit einem Extrakissen wg. dem Hexenschuss. Am Nachmittag hat er sich extra oft gebückt, hatte ich den Eindruck, wollte wohl zeigen, dass so ein bissel Kreuzschmerzen ihn nicht mürbe machen.

 

30.8.

Genau das ist auch, was meinen Eltern seit Jahren fehlt, Freunde. Früher nicht wichtig, und später findet man keine mehr.

Ich fand das immer schlimm, dass sie nur immer allein sind, wollte nie so sein. Aber bin auf dem besten Weg dazu. Dieses Jahr habe ich angefangen, das wieder zu ändern. Freunde wieder öfter zu sehen, die in meiner Stadt wohnen. Nicht nur welchen zu mailen, die am anderen Ende von Deutschland leben, oder die man nur unter einem Pseudonym kennt.

 

31.8.

Ich habe meine Arbeit heute fürs erste abgeschlossen und abgeliefert. Und in dem Moment, wo ich sie weggeschickt habe, rief meine Mutter an, mein Vater hat einen Herzinfarkt! Irgendwo ist uns keine Zeit der Ruhe gegönnt. Ein Damoklesschwert nach dem anderen hängt über uns...

 

1.9.

War heute bei Papa 2x im Krankenhaus, er hat große Schmerzen, und die Medis helfen nicht. Aber es ist nicht klar, ob es ein Herzinfarkt ist. Das EKG wies darauf hin, aber die Ärzte gingen heim, als er dort eintraf, und sind übers Wochenende auch weg. Nun liegt er einfach dort und weiß nicht, was los ist. Die schlimmen Schmerzen hat er seit Montagabend, wir hatten ja alle gedacht, es sei ein Hexenschuss, aber es wurde immer schrecklicher, die Schmerzen, blass, appetitlos, verfroren. Laut Röntgen ist es aber wohl weder Wirbelsäule noch Gallenstein, was die Alternative zum Herzinfarkt wäre. Und die Blutproben (mit denen man das Markerprotein vielleicht noch hätte nachweisen können) haben die verloren, gleich 4 Stück. Saftladen! Hoffentlich gibt die neue Runde Proben Aufschluss.

 

2.9.

Die haben sich auch in der Vergangenheit dort ja nicht profiliert. Wäre ich meine Eltern, hätte ich gegen die schon ein Verfahren eingeleitet. Wegen eines ärztlichen „Kunststücks“ kann meine Mutter nicht mehr richtig gehen. Das waren ja auch die. Meine Eltern haben gemeint, da kann man nichts machen, und es sei ihnen zu mühsam, was zu unternehmen. ICH hätte es wenigstens versucht!!! Aber sie wollten nicht, dass ich mich einmische. Nun zeigen sie also im KH schon wieder mal, dass die irgendwie dort mit allem überfordert sind, sogar die simpelsten Sachen kriegen sie nicht auf die Reihe.

 

Ich glaube, das ist dort überhaupt das einzige KH, und es ist mit 1100 Betten das größte in der Region. Das andere KH ist für Psychiatrie, Psychosomatik und sowas. Da gibt es keine große Auswahl.

 

4.9.

Meinen Vater habe ich erreicht, er klang aber ziemlich schwach. Hing heute am EKG und Blutdruckmesser ganztags. Die Schmerzen waren noch nicht zurückgekommen. Ich hoffe, morgen haben Sie irgendeinen Befund, und hoffentlich nicht so einen schlimmen!

 

5.9.

Heute haben sie im KH endlich mal was diagnostiziert. Heute früh, dass es kein Herzinfarkt ist. Yeah! Dafür wohl ein Nierenstein. Dann kam der Urologe, nein, keinerlei Nierenstein. Dann kam der Orthopäde, da wir die ganze Zeit gemeint hatten, dass da was am Rücken in der Wirbelsäule eingeklemmt sei. Nach 9 Tagen also wird der mal endlich herangezogen, und stellt fest, dass sich 2 Wirbel verschoben haben. Nun bekommt mein Vater ein Stahlkorsett gemacht, das ist übermorgen fertig. Dann soll er heimgehen. !!! ??? !!!
 

Äh, ja. Hm. Finde das ja toll und bin riesenfroh. Aber, ist das jetzt wirklich alles? Und ist es normal, dass man nur keine Schmerzen hat, wenn man 4 Ibuprofen am Tag nimmt und nur im Sitzen schlafen kann, und dann nur 2-3 Stunden? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die es sich da aber schon arg einfach machen!

 

06.09.2012 12:12:05

 

Papa ist derzeit beim Szintigramm. Mutti und ich können sich echt nicht vorstellen, wie es denn funktionieren soll, dass so ein Korsett jetzt einfach alles löst. Sehr seltsam. Ich denke, die wollen nur einfach das Bett frei haben.

Meine Empfehlung: in dieser Stadt gar nicht erst krank werden. :-((

 

7.9.


Mein Pa ist heute nach Hause entlassen worden. Nun bin ich sehr gespannt, ob dieses Korsett Wunder wirkt oder was. Ich glaub es noch nicht.

 

08.09.2012 16:31:41

Grad mit meinen Eltern telefoniert, nun muss mein Vater scheint’s schon wieder ins KH! Das ist ja zum Wahnsinnigwerden! Daumendrücken!

 

08.09.2012 16:49:20

Ist schon weg mit dem Notarzt.

 

8.9.

Papa ist wieder zu Hause! Es war Verdacht auf Darmverschluss, aber sie haben ihn wieder hingekriegt. Wahrscheinlich hat er so viel brechen müssen, weil er vor Verzweiflung ein etwa 30 Jahre altes Rizinusöl runtergewürgt hat. Mann, diese Geschichte war aber echt überflüssig!

Wir sind aber doch auf das streetlife Festival gegangen, und das war sehr schön, hat Spaß gemacht, jedenfalls nach seinem Anruf. L. hat heute viel gewonnen, da gibt es eine Menge Glücksräder. Er hat auch einen Swingtanzkurs gewonnen. Den krieg jetzt ich.

 

9.9.

Ich habe auch etwas im Garten gewütet, gestern auf der einen Hausseite den Rasen gemäht, heute habe ich mir dann den Sommerflieder vorgenommen und alles Braune mal endlich rausgeschnitten, ich bin dieses Jahr gar nicht gartenbegeistert, aber eigentlich ist es eine tolle Ablenkung, dabei vergisst man mal kurzzeitig den ganzen Mist.

 

10.9.

Der Direktor in Eichstätt hat L. genommen! L. hat sich heute Morgen vorbildlich herausgeputzt und frisiert und verhalten und einen guten Eindruck gemacht. Nun wird er also in den sozialwirtsch. Zweig gehen, und die Aufnahmeunterlagen für seine Wohngruppe haben wir dann auch ausgefüllt, und jetzt ist er dort. Hab vorhin angerufen, da war er sehr unzufrieden mit allem, nix sei dort gut, alles mies. Ich glaube, der Grund ist, dass er über Nacht das Handy abgeben muss, und Kaugummi und Süßigkeiten dort verboten sind. Er wird sich schon gewöhnen, hoffe ich! Jedenfalls bin ich heilfroh, dass er endlich einen Platz hat!!!

Nun muss sich noch die Gesundheit von Papa hoffentlich wieder bessern, dem geht es immer noch schlecht, und er hat keinen Appetit und mag nix essen, und das ist sehr seltsam und ungewohnt.

 

11.09.2012 11:06:08

 

Papa geht es heute auch elend. Er hat probiert, wie es ohne Medikament ist. Nun kann er nicht mal aufstehen und hat Arzttermin. Früher kamen die Ärzte doch auch nach Hause, heutzutage machen die das alle nicht mehr.

 

11.9.

Papa hat es heute dann doch noch mit dem Taxi irgendwie zum Arzt geschafft und hat ca. 8 neue Medikamente verschrieben bekommen. Na toll. Inshallah helfen die dann auch was.

 

13.9.

Ich war heute nur arbeitsmäßig fleißig. Auf einmal werde ich mit Arbeit zugeschmissen. Das ist schön, aber seltsam. Was soll‘s, mir machen Übersetzungen Spaß, also - why not?

 

13.9. 10:45

Ansonsten bin ich grade dabei, mich selber zu beruhigen, soweit möglich, denn Papa ist grad schon wieder vom Notarzt abgeholt worden, weil er so schreckliche Schmerzen hat und - vor allem - weil seine Beine ihm nicht mehr gehorchen! Er hat ja diesen Wirbelbruch, da ist bestimmt jetzt ein Nerv eingequetscht... Ohwehohwehohweh...

 

12:09

 

Habe mit dem KH geredet, der Arzt meint, eigentlich bleibt nur eine OP mit einem ganz gewaltigen Risiko wegen Alter (ist ja fast 90), Marcumar und Herzschrittmacher. Seinen Hausarzt habe ich informiert, der fährt jetzt gleich zum KH rüber und hilft bei der Entscheidungsfindung. Aber auch mit OP, vorausgesetzt, diese liefe gut, wäre die Lähmung voraussichtlich irreversibel. Und heute früh konnte er ja, im Gegensatz zu gestern, plötzlich nicht mehr laufen!!!!!!!!!

Heuuuuuuuuullll...

 

13.09.2012 12:37:01

 

Inzwischen sitze ich an meiner Arbeit, und bin sehr produktiv, das lenkt ab.

 

14.9. 00:19

Papa ist nun in einer Abteilung, in der er sicher nicht sein möchte, und furchtbar deprimiert. Mindestens 1 Woche wollen sie ihn behalten, vielleicht länger, und ihm jetzt eine Cortisontherapie angedeihen lassen, denn eine OP - meinen alle - würde angesichts der Risikofaktoren nicht gut gehen. Entweder kriegen sie ihn also mit dem Cortison wieder auf die Reihe, oder es gibt keine Möglichkeit mehr. Meine Mutter ist fix und fertig. Und ich erschlage mich mit Arbeit. Dafür habe ich fast nix gegessen, und das, was ich dann letztlich gegessen habe, war offenbar nicht mehr verträglich, denn ich habe prompt totalen Durchmarsch gekriegt, so dass ich jetzt wohl ein Kilo leichter bin...

Überhaupt habe ich vorhin mal in den Spiegel geschaut und bin unangenehm überrascht, dass ich heute direkt ausgemergelt aussehe (nur im Gesicht). Nicht so gut.

 

12:37

Hab grade meinen Vater angerufen, jetzt geht es ihm sogar so schlecht, dass er nicht mal mehr alleine essen kann, weil seine Hände derart zittern, das ist was ganz Neues. Seine eigenen Zukunftsprognosen sind sehr düster. Ich werde mich jetzt wieder mit Arbeit beruhigen.

 

21:44

Ich habe inzwischen von der KH-Front leider auch keine besseren Nachrichten, Zustand wie gehabt und er hat keine Lust, ein eigenes Telefon zu haben.

 

16.9. 12:48

Ich habe auch heute leider keine guten Nachrichten, sondern noch Schlechteres erfahren.

Wollte hinfahren, aber Mutti will nicht, dass ich komme, wir hatten Donnerstag ausgemacht, 2x soll ich nicht kommen. Hm. Ich hoffe, es gibt eine simple, harmlose Erklärung für seinen neuerlichen Zustand.

Ich werde mich wieder in Arbeit stürzen. Vielleicht ist es besser, ich bin zu früh fertig damit, dann habe ich wenigstens nichts, was ich nicht abschließen kann.


Aha, ich soll nicht heute kommen, weil es Mutti zu sehr stresst. Sie leidet momentan unter wahnsinniger Nervosität, und alles, was ungewöhnlich ist, macht sie total fertig, das wäre z.B. ein Besuch von mir. Es ist also nicht so, dass sie mir irgendwas verheimlichen will oder so, sondern anscheinend eine Selbstschutzmaßnahme.

 

19:49

Meinem Vater geht es im Laufe des Nachmittags wieder besser. Jetzt habe ich grade 45 Minuten mit ihm telefoniert. Und vorher auch noch fast 3 Stunden mit meiner Mutter und zwei Freundinnen. Daher wohl das Kopfweh. Für heute also mach ich Schluss mit der Übersetzung.

 

17.9.

Hab grad bei Papa anrufen wollen, da hieß es, er habe Krankengymnastik! Das heißt ja dann doch wohl, dass es ihm bessergehen muss! Hoffe ich doch! Ach, wäre das schön!

 

Hab grade mit Papa telefoniert, nun hat er endlich ein Telefon. Mit einem Rollator kann er den Gang entlanggehen und nach langer Verschnaufpause auch wieder zurück. Ich hoffe, es wird wieder besser, bislang lief er doch locker in die Stadt und zurück ohne Problem... Ich kann ihn mir am Rollator so gar nicht vorstellen. Gruselig irgendwie.

 

19.9.

Papa sagte heute, er könne den linken Fuß bewegen. Daraus ergab sich dann, dass er das rechte Bein nicht bewegen kann. Was soll ich davon halten - glaube nicht, dass er nach dem KH meine Mutter wieder versorgen kann. Außerdem sind durch das Cortison alle Gliedmaßen total geschwollen. Er hat zwar vergnügt am Telefon getan, aber das hat nicht dafür gesorgt, dass ich hier beruhigt bin. Morgen fahr ich hin.

 

22.9.

 

Von Papa ist leider nichts Gutes zu berichten. Zu allem Übel haben sie auch noch durch Fahrlässigkeit bewirkt, dass er jetzt fürchterlich hustet.

 

24.9.

In Anbetracht der Situation meines Vaters sollte ich doch besser wieder regelmäßig Calcium nehmen, es wird mich sonst auch ereilen.

 

Da ich heute einen Anruf bekam, dass Papa keine Reha bekäme, sondern ich jetzt dafür sorgen müsse, dass er nach Hause könne und dazu Umbauten in Angriff nehmen müsse etc. sowie geeignetes Personal beschaffen... bin ich fast durchgedreht und habe statt was Vernünftiges zu tun, 10 Liter Lasur gekauft und die Terrasse lasiert. Logisch, gell! Vor allem, war abzusehen, dass es nicht lange dauern würde, bis es regnet. Und das tut es jetzt. Wieso habe ich das gemacht? Übersprunghandlung? Auf jeden Fall Verzweiflung.

 

Er hat heute selbst der Ärztin gesagt, er wolle auf jeden Fall in die Reha, und wenn er sie selber bezahlen muss. Er möchte ja auch, dass seine Beine wieder tun. Momentan übt er jetzt jeden Moment, weil ich ihm ein paar Übungen gezeigt habe, die er mit den Füßen machen kann, um die Muskulatur zu kräftigen. Die Füße kann er bewegen. Vielleicht kommt der Rest irgendwie nach. Heute ginge es angeblich besser als gestern.

Wir sind uns aktuell alle einig, dass wir derzeit keine Umbauten machen wollen und das alles gar nicht in Frage kommt. Mal sehen, wer sich schneller beugt, das Schicksal oder wir...

 

Die Telefonnummern von an die 30 verschiedenen Einrichtungen habe ich ja bekommen, die in Frage kämen, dass ich bei denen jemanden kriegen könnte für eine 24 Std. Betreuung, bzw. die ggf. eine Ahnung haben könnten, wer das macht.

Außerdem die Tel.nr. der Frau, die die Wohnungsbegehung macht, und mit der man dann die Arbeiten absprechen muss, was gemacht werden muss. Rollstuhltaugliches Haus. Wir haben vorab schon wegen neuem Bett, Umbauten im Bad (soll geändert werden, damit er in die Dusche kann) und Türschwellen und Treppenstufen und so gesprochen, da kann ich jetzt mal schon anfangen zu sparen für wenn ich so alt bin, dass ich sowas mal brauche. Was so ein Treppenlift kostet... Ich werde bevorzugt ständig hinfahren und alles, was sie aus dem Keller brauchen, für sie rausholen. Das ist billiger. Für einen Treppenlift kann ich 600x hinfahren.

 

Ach, wir haben alle keine Lust, da was in die Wege zu leiten. Wir hoffen immer noch, dass er nun wie durch ein Wunder plötzlich wieder hergestellt wird...

 

Heute war ich auch noch beim Zahnarzt, und der hat mich auch überrascht, sehr unangenehm. Die Schmerzen, die ich mir durch das Zähneknirschen der letzten Monate geholt habe sind nämlich dadurch bedingt, dass mein Kieferknochen sich auflöst. So wie bei meinem Vater der Rücken. Jetzt soll da operiert werden und Knochenaufbau müsste gemacht werden, dazu Knochen entnommen und dann an 6 verschiedenen Stellen eingefüllt... Ich bin ja total begeistert. Aber erstmal muss die Entzündung abheilen, denn die habe ich auch noch. Ist also keine Neuralgie im Gesicht, sondern hat Gründe. Und dann natürlich alles jetzt.

Ich hätte gerne einen Zeitsprung. 10 Jahre in die Zukunft oder zurück. Ich habe momentan wirklich keine Lust mehr, in meiner Haut zu stecken.

 

25.9.

13 Stunden am Stück geschlafen und bin total bedeppert im Kopf, so als hätte ich mich gestern betrunken. Hab jetzt mehrere Tassen Kaffee und 1/2 Flasche Eistee intus und Korodintropfen gegen niedrigen Blutdruck genommen, jetzt werde ich langsam vom Zombie zum Menschen. Wahrscheinlich brauche ich den Schlaf ja, sonst würde ich ja wohl nicht so tief schlafen... Und völlig traumlos.

 

Mein Vater ist heute zum Herzspezialisten gebracht worden. Weiß noch nichts Neues.

Ich habe immer noch niemanden angerufen von Caritas usw. Ich kann mich nicht dazu durchringen. Und Papa und Mama sagen, ich soll auch nicht. Ich warte noch, ob Papa nicht doch eine Reha durchsetzen kann.

 

26.9.

Keine Änderung bei meinem Vater.

 

27.9.

Mein Vater wird morgen auf eine andere Station verlegt, wo sie ihn mehr trietzen wollen, damit er wenigstens seine Armmuskeln stählt, wenn schon die Beine nicht mehr wollen. Wir hoffen weiterhin immer noch.

 

28.9.

Sie haben ihn heute in eine Abteilung "Frühreha" zur Physiotherapie verlegt, aber gar nichts mit ihm gemacht, er musste nicht turnen. Das ist ja nicht Sinn der Sache! Im Anschluss soll er wohl in ein Pflegeheim, und dann nach Hause, falls es ein „und dann“ gibt.

 

30.9.

Beim Zaunstreichen meine Lieblingshose angetritschelt.

Ein Pflegeheim besichtigt. Schluchz! Was für eine Vorstellung. Es tut einfach weh.

 

2.10.

Krankengymnastin meines Vaters hat heute gemeint, er schafft es, bisschen grade in einem Stuhl zu sitzen, daraufhin hat er dann den ganzen Nachmittag brechen müssen, weil wohl der Nerv dadurch wieder stärker eingezwickt wurde. Immerhin hat er ja jetzt schon 4 Wochen nur gelegen.

 

3.10.

Aha - anscheinend hat er ca. 3 Stunden da sitzend verbracht! Erst liegt er immer nur, und auf einmal so eine Mammutsitzung! Ist das medizinisch wertvoll oder was! Die haben ihn rausgenommen und gesagt, er soll sich nicht so anstellen. Haben ihn in den Rollstuhl gesetzt und an den Tisch geschoben. Erst als dann Mittagessen kam, haben sie ihn ins Bett zurückgetan, weil er nicht mehr konnte.

 

Heute mag er jetzt gar nicht aus dem Bett raus, das kann ich ihm nicht verdenken!

 

Zudem habe ich den Eindruck, dass er jetzt auf dem besten Weg dazu ist, die Klarheit im Kopf zu verlieren. Er ruft ständig an und weiß nicht mehr, dass er schon angerufen hat. Er verwechselt mich mit meiner Mutter. Er erzählt alles mehrfach. Oh weh oh weh oh weh...

 

Die Pflegerinnen sind dort wirklich extrem herzlos, manchmal denken wir schon, das hat Methode. Sie heben auch oft das Fernseh-Telefon-Ensemble hoch, so weit weg (ist an einem Schwenkarm), dass er nicht mehr hinkann. Und den Klingelknopf, den sie über das Kästchen hängen, schieben sie mit dem Kästchen auch öfter außer Reichweite. Drum lag er ja z.B. neulich die ganze Nacht mit nur einem Leintuch zugedeckt und hat sich erkältet, er konnte nicht klingeln, und niemanden um Hilfe anrufen, und auf sein Rufen kam keiner. Und das haben sie jetzt schon wieder gemacht, sie haben ihn einfach abgestellt und vergessen.

Neulich sollte er zu einer Ärztin, da haben sie ihn auch einfach hingefahren und dann dort vergessen. Die Ärztin kam überhaupt nicht. Zum Mittagessen haben sie dann bemerkt, dass er nicht da ist.

Und diese Woche haben sie ihn vor dem Frühstück weggeholt, und dann haben sie rumgeröntgt und CTG usw. und ihm Frühstück erst um 10 vor 12 mittags gegeben, und um 1/2 2 dann Mittagessen. Ich finde das alles unsäglich.

 

Als L. auf Kreta an Salmonellen fast gestorben ist, hatte ich ausreichend Gelegenheit zu tiefgehenden Einblicken in dieses kretische Krankenhaus, eigentlich eher minoisch, denn es war wahnwitzig antiquiert, man musste als Patient alles selber machen, und dreckig war es ohne Ende. Aber was uns derzeit hier in Deutschland wiederfährt ist irgendwie ein ganz anderer Auswuchs. Der Patient als Nummer in einem 1100-Betten-Krankenhaus. Lebendig oder tot, sch...egal.

 

04.10.2012 10:11:35

 

Es gibt nur dieses eine Krankenhaus dort, das andere ist eine psychiatrische Klinik. Ich kann ihm nicht verlegen lassen. Und Mutti will nicht, dass er in München ist, denn da wo er ist, kann sie ihm wenigstens Sachen ins KH schicken, nach denen er fragt. Die bringt ihm die Putzfrau dann hin.

 

Früher hatte ich mir eingebildet, in unserem Land sei alles sauber und nach Din-Standard ordentlich geregelt. Haha.

 

04.10.2012 12:23:38

 

So, habe grad erfahren, jetzt haben sie meinen Vater in ein 4-Bett-Zimmer verfrachtet. Da gäbe es dann immer jemanden, der nach der Schwester klingeln kann, wenn er ein Problem hat. Auch eine Lösung. Die machen es sich schon leicht.

 

Der Hausarzt ist aktuell in Urlaub. Wenn er zurück ist, schicke ich ihn wieder ins KH. 2x war er schon dort und konnte Dinge klären. Aber inzwischen ist Papa ja schon wieder auf einer anderen Station, und da fängt man dann wieder von vorne an.

Heute haben sie wieder zig Untersuchungen gemacht, so dass er nicht mehr in der Lage ist, zu reden, zu fertig.

Dieser Wirbel ist ausgerechnet auch für Blase und Darm zuständig. Die funktionieren nicht mehr, weil der Wirbel kaputt ist. Abgesehen von den Beinen sind also auch sie davon abhängig, das ist der allergrößte Mist. Denn sonst könnte man ihn ja auch leichter pflegen.

 

Bis zum 13. konnte er noch laufen. Seit dem 28.8. ist er krank.

 

6.10.

Meinen Vater haben sie heute doch wieder aus dem Bett raus, und diesmal nur (!) 1 1/2 Std. draußen gelassen. Er hat sein Essen danach im Magen behalten können, puh, bin erleichtert!

 

7.10.

Eine Hose im Schrank gefunden, die mir zu kurz ist. Die bringe ich jetzt meiner Mutter mit, bevor wir zu Papa fahren.

 

9.10.

Meinem Vater geht es nicht gut. Hab gestern sehr lang mit der aktuellen Ärztin gesprochen. Man weiß wirklich nicht, wie es sich weiter entwickeln kann. Ausschauen tut er schlecht. Beim Gespräch hat die Ärztin unwissentlich preisgegeben, was die in der anderen Abt. geheim gehalten hatten, nämlich, dass sie ihm damals, wo sie ihn ohne Decke hatten liegen lassen bis 3 Uhr morgens eine Lungenentzündung verpasst hatten. Die sei jetzt ausgeheilt.

 

Außerdem hatte er im KH eine Pilzinfektion (Blase) bekommen. Die sei jetzt ausgeheilt.

 

Eine Reha ist beantragt, damit sie das Bett frei kriegen. Von dort wird er dann vermutlich in ein Pflegeheim müssen. Wir haben ja jetzt eines angeschaut, das in Frage kommt. Natürlich gescheit teuer. Mit Pflegestufe NUR 1700 Euro im Monat, ohne dann 300 Euro mehr.

 

Lungenentzündung: Trat genau nach der Nacht auf, in der er abgedeckt lag. Am nächsten Tag schlimmer Husten, Fieber. Die Ärztin nannte mir das Datum, an dem bei ihm die Lungenentzündung diagnostiziert wurde, das war genau dann. 21.9. Da hatte er zu der Pflegerin anscheinend gesagt: Ich Doktor, und Du machst, was ich sage - oder so ähnlich. Hatte die Krankenschwester erzählt. Dann hat er die Nacht im Bett mit einer dünnen Decke verbracht, kam nicht an Telefon und Notfallklingel und schnatterte vor Kälte bis 3 Uhr früh, als er gefunden wurde. Am nächsten Tag hatten wir noch Pralinen mitgebracht. Und dann waren die immer suuuuper freundlich. Wer hat ihn die Nacht so stehen gelassen?

 

10.10.

Heute Nacht hatte ICH Fieber und Schüttelfrost, jetzt geht es mir wieder etwas besser, der Zahn ist noch drin, den der Arzt gestern Abend sofort ziehen wollte, aber ich habe mich geweigert, und das Antibiotikum scheint nun zu wirken, Gottseidank...

 

Habe grade total geweint, weil Papa mir heute, nach all den Jahren am Telefon gesagt hat, dass ich immer sein "Herzibopperl" gewesen sei, und dass er mich über alles liebt. Er hat sich mehrfach entschuldigt, dass er mir das wohl nie so richtig zeigen konnte. Was das für mich jetzt bedeutet!

 

11.10.

Papa geht es noch nicht gut genug, heute haben sie eine Magenspiegelung vorgenommen. Wir wissen noch nicht, ob er morgen dann in die Reha kann oder nicht.

 

12.10.

Boah, Papa meint nun, ich solle einfach meine Wohnung verkaufen und ins Haus meiner Eltern ziehen. Meine Bücher könne ich ja verschenken. Meine 4000 Bücher! Ver.Schen.Ken.!!!


Ich habe stundenlang wachgelegen nach 2 Uhr morgens und habe mir überlegt, wie ich mit Inhalt von 5 Zimmern und Speicher in das vollgestopfte Haus meiner Eltern ziehen könnte, natürlich unter Abgabe aller meiner selbst gekauften Möbel, und Mutti lässt nichts aus dem Sammelsurium der Vorfahren und eigenen Kindheit aus dem Haus. Das Haus ist schon mit Möbeln der Urgroßmutter, der Großmutter und der Kindheit meiner Mutter, sowie der Praxis gefüllt. Dazu bräuchte man jetzt nur noch je ein Zimmer für die Kinder und natürlich einen Arbeitsplatz. Raaaaa!!!! Und das setzt mich jetzt als Einzelkind voll unter Druck. Wer sonst kann sich um meine Mutter kümmern, wenn mein Vater nicht mehr dort ist. Sie kann ja so wenig Handwerkliches. Im Vergleich zu ihr bin ich ein Faktotum. Alles hat ja er immer gemacht.

 

Eigentlich 5 Zimmer plus ein Speicherabteil mit 2 Stockwerken in der Größe meines Schlafzimmers habe ich, das bis zum Rand voll ist! R. würde nicht nach Ingolstadt wollen, aber wenn die Wohnung ausgezahlt wäre, könnte sein Vater ja eine größere Wohnung nehmen. Ob der allerdings in München bliebe, da ihm ja jetzt gekündigt ist - mit dem Geld könnte er in Iran ein Haus kaufen, aber R. muss ja auf jeden Fall das Abitur noch machen.

 

Oh Mann, was für ein Mist mir im Kopf rumgeht. Gibt gar keine Lösung für den Knoten. Und wenn dann mein Vater doch wieder irgendwie soweit hergestellt würde, dass er ins Haus zurückkönnte, hätten wir keinen Platz mehr für ihn. Anbauen kann man nicht. Man kann ja nicht auf dem Dach noch ein Stockwerk raufbauen. Das wäre natürlich dieeee Lösung, aber geht ja nicht.    

 

Und Papa wird jetzt grad in den Krankenwagen umgepackt und in die Reha gefahren.

 

15.10.

Papa in der Reha in Bad Gögging besucht. Bin sehr traurig. Es geht ihm nicht grade besser. Bislang hatten sie noch keinerlei Therapien mit ihm gemacht, heute erfahren wir vermutlich, ob sie es überhaupt vorhaben. Die Kasse zahlt auch. Aber er ist halt leider wohl nicht in der Lage, irgendwas zu machen, was angeboten wird. Er ist zu krank dafür. So eine Art Physiotherapie, für ihn passiv, müsste aber doch schon irgendwie gehen?

 

Ansonsten liegt er halt nur im Bett und schläft fast nur, isst mit Mühe und schläft wieder. Er ist jetzt irgendwie auch recht verwirrt. Sehr sehr trostlos ist das Ganze. Das ist so traurig, dass er jetzt plötzlich so abbaut. Bislang haben sie ihm immer noch kein Medikament dagegen gegeben, obwohl ich seit 2 Wochen drum bitte! Man kann nur am Anfang was gegen Alzheimer machen, dann ist es zu spät. Ich habe schon im Klinikum mit mehreren Ärzten gesprochen, und die haben versprochen, sich drum zu kümmern, aber haben es nicht gemacht. Nun muss ich schon wieder damit anfangen. Aber wenn es schon alles so furchtbar für den Armen läuft, dann sollte er doch wenigstens die letzte Zeit noch seinen Verstand behalten dürfen!

 

Zwischendurch ruft er scheint’s 10x bei Mutti an und sagt ihr guten Morgen, weil er vergisst, dass er grade schon angerufen hat (bei mir ruft er nicht an). Mutti ist schon völlig fertig, weil das Telefon ununterbrochen läutet, und sie hinmuss, egal, was sie grad getan hat, es steht ja im Gang, das alte Schnurtelefon. Wo auch immer sie ist, ständig läutet es, und sie muss mit ihrer Krücke hinhinken, nun hat sie schon heftigste Hüftschmerzen, weil sie den ganzen Tag unterwegs ist. Sie will aber nicht, dass ich dafür sorge, dass sie ein tragbares Telefon kriegt (man müsste auch erst mal den Anschluss ändern, da kommt nur ein Kabel aus der Wand, da ist kein Stecker). Sonst hätte ich ja schon was für sie hier.


Der Hin- und Rückweg waren etwas abenteuerlich, weil gleich 2 Orte vollständig gesperrt sind, warum auch immer. Wir fuhren dank Navi über eine Menge Feldwege unter abgeernteten Hopfenstangen durch (kürzester Weg war eingegeben). Ziemlich wildromantisch. Zum Glück schien die Sonne, und immerhin sind wir angekommen.


Ich habe um 13 Uhr mit ihm telefoniert, aber bis dahin war noch kein Arzt dagewesen und es gab noch keinen Therapieplan. Wenn er bis morgen immer noch keinen hat, frage ich nach, was die sich vorstellen. Ich habe vorhin auch mit Mutti gesprochen, weil Papa plötzlich alles vergisst. Ich glaube das langsam gar nicht mehr so richtig, wenn er sagt, es war niemand da nach ihm sehen. Vielleicht stimmt es gar nicht wirklich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihn jeder einfach so mies behandelt, und das, obwohl er Arzt ist, ich muss rausfinden, ob nicht etwa sein Gedächtnis plötzlich innerhalb von 4 Wochen so schlecht geworden ist! Ich bekomme langsam echte Angst, dass das sein könnte!!!

 

Es wäre sehr schön, wenn diese Vergesslichkeit nur vorübergehend wäre, durch den Aufenthalt im KH bedingt (Delir), aber wenn er im Anschluss sowieso in einer Pflegestation landet, wann hat er dann eine Chance, dass das wieder vorbeigeht, wenn das von einer derartigen Umgebung verursacht würde?

 

Mit Mutti habe ich besprochen, dass Papa möchte, dass ich ins Haus ziehe, aber dass das ja nicht geht, wenn nicht 3 Zimmer zur Verfügung sind, und dass ich ja selber so viele eigene Möbel habe. Dann hat sie gesagt, diese Holzkästen, die Du fürs Wohnzimmer gekauft hast, kannst Du doch einfach wegtun! Wir sind uns also nicht einig geworden, denn ich bin anderer Meinung und liebe meine „Holzkästen“, und möchte sie nicht mit Begeisterung gegen ihre Jugendmöbel von 1935 oder so tauschen, die im Haus stehen und von denen alles ja stehen bleiben muss, so dass nichts mehr hineinpasst. Entweder muss Platz für uns alle sein, oder es geht halt nicht.

 

16.10.

Papa hat schon wieder einen Infekt bekommen, wo keiner weiß, was es ist, womöglich schicken sie ihn jetzt ins KH zurück! Er hat Fieber und hustet. In der Reha wissen sie nicht, wie sie damit umgehen können. :-(((

 

Ich habe zu viel im Kopf, ich kann mich jetzt gar nicht auf sowas Profanes wie einen Übersetzerstammtisch einlassen, das würde mir keinen Spaß machen.

 

16.10.2012 13:30:07


Was jetzt wieder los ist... und warum...???

Papi ist nun hochgradig deprimiert. Es ist auch wirklich kein Wunder. Der arme Mann! Das alles ist einfach zu viel für einen Menschen, und dann noch dazu ständig allein, keiner mit dem er reden kann, nichts was er tun kann. Es ist zum Heulen. Ich habe Papa am Tel. gesagt, er möge sich nach den Grünen Damen erkundigen, von denen mir erzählt wurde, dass sie ehrenamtliche Krankenbesuche machen, aber weiß nicht, ob er es nicht sofort wieder vergessen hat.

 

15:09

Ich habe den Arzt in der Reha erreicht. Er sagt, mein Vater sei jetzt mit einem Infekt akut erkrankt, den er wohl bereits vorher hatte, Lungen- und Blaseninfekt, man wisse nicht was, der Herd sei nicht bekannt. Entweder war er nicht komplett ausgeheilt, als er hinkam, oder er hat einen Rückfall gehabt. Als ich dann sagte, wie können die ihn denn so unverantwortlich rauslassen, wenn er nicht ausgeheilt ist, hat er sofort zurückgerudert und das Klinikum in Schutz genommen.

Nun bekommt er starke Antibiotika, wenn es bis morgen nicht besser ist, wird er ins KH zurückverlegt, damit wäre die Reha dann vermutlich gegessen.

Ein Medikament gegen Vergesslichkeit könne man hierzu nicht auch noch geben, absolut nicht, das hätte Nebenwirkungen, die womöglich Schlimmstes bewirken würden, das könne man dem geschwächten Körper momentan auf keinen Fall zumuten, und werde der Arzt nicht verschreiben.

An Therapien hatten sie sich eine Mobilisationstherapie vorgenommen, aber gestern hatte er Fieber (und uns nichts gesagt), also hatten sie es gestrichen, und heute haben sie ihn aus dem Bett genommen dazu, aber danach war er bereits so erschöpft, dass sie ihn nur wieder zurückgelegt haben, weil es nicht möglich war, etwas zu machen, ohne seinen Zustand stark zu verschlimmern. Ich finde nicht, dass das grade gut klingt.

Zudem hat der Arzt gesagt, dass er keine Hoffnung sieht, dass die Paraparese der Beine (Lähmung, jetzt haben sie also ein Wort dafür) wieder besser würde.

 

17.10.

Ich habe auf der Reha gefragt nach grünen Damen und Herren, da wusste man nicht, was das ist, und schließlich hat sich rausgestellt, dass es eine Patientenbetreuung dort gibt, aber die machen nur Spiele mit den Patienten im Aufenthaltsraum.

 

Leider geht es Papa nicht besser. Heute Mittag hat er kaum sprechen können, weil er so schlecht Luft gekriegt hat. Ich weiß noch nicht, ob er jetzt in das Klinikum zurückgeschickt wird. Habe keine Info. Vormittags haben sie ihm wieder das Telefon so weit weg vom Bett abgestellt, dass er nicht hinkonnte! Wir haben zigmal angerufen, nix ging.

 

...Ach menno, jetzt ist er wieder auf der alten Station im KH, wo er vorher war, nachdem sie ihn jetzt in der Notaufnahme ewig durchgecheckt haben. Natürlich ohne Telefonanschluss und total deprimiert ist der Arme. Wir auch.
 

Und wenn man schon genügend Sorgen hat, kriegt man noch welche obendrauf. Bester Zeitpunkt für eine häusliche Krise. Jetzt werde ich mal wieder Mülleimerinhalt aussortieren. Mir ist grad so nach Deppenarbeit.

 

 

18.10.

Papa wurde heute über die Speiseröhre am Herzen ge-ultraschallt. Sehr unangenehm, nun kann er kaum mehr sprechen, seine Stimme ist so tief nach dieser Schlauchschluckerei. Fieber hat er immer noch, keiner weiß wieso. Er ist total depri.

 

19.10.

Habe mit der Ärztin telefoniert, nun meinen sie, er hätte eine Spondylodiszitis. Lebenslänglich lernen!!! Zumindest medizinische Fachwörter. Eine S. wäre jedenfalls auch nicht grade gut. Hoffentlich hat er die eben nicht. Es ist ein Verdacht, keine Diagnose. Sie haben jetzt ungefähr zum 5. Mal ein CT gemacht in der Zeit, wo er im KH ist. Weil das so ein Vergnügen ist und so preiswert?

 

21.10.

So, ich bin wieder da, habe bei Mutti im Garten gewütet und die Rosen alle gestutzt (und bissel Blut verloren dabei). Ihre Haare habe ich ihr auch gefärbt und für sie einen Großeinkauf getätigt. Und dann waren wir insgesamt 8 Stunden im Krankenhaus. Gottseidank hat sich der Verdacht bei meinem Vater nicht erhärtet. Aber man weiß weiterhin nicht, was für eine Entzündung er nun eigentlich im Körper hat. Sein Gedächtnis ist noch viel schlechter. Er fragt nun ständig, was für ein Tag denn eigentlich ist, und das in Abständen von ca. 10 Minuten. Aussehen tut er ziemlich schlecht, und während man mit ihm redet, schläft er einfach ein und schläft dann ganz fest. An nichts, was ihn bisher interessiert hat, hat er Interesse, außer an den Gartenpflanzen. Seufz. Gefällt uns überhaupt nicht!

 

Na, anscheinend ist ja so ein vorübergehendes Delirium im KH häufig. Aber ich habe irgendwie nicht den Eindruck, dass es sich da um was Vorübergehendes handeln dürfte. Und ich glaube auch nicht, dass es an Medikamenten liegt. Vielmehr denke ich, er hat schlichtweg aufgegeben. er hält seinen Geist nicht mehr fit. Er schläft fast nur und denkt nicht aktiv. Und die Tage sind für ihn alle gleich. Da er auch seinen Oberkörper nicht drehen kann, weiß er nicht mal, wie spät es ist, oder welche Tageszeit, wenn sie ihn nicht so legen, dass er die Uhr oder das Fenster sieht.

 

22.10.

Meinem Vater geht es heute hörbar schlecht. Ich habe eine virtuelle Kerze im Internet für ihn brennen, bevor ich hier noch die Bude abfackle. Aber ich finde, es gehört eine angezündet. Er hat wieder so viel Wasser in der Lunge, dass er kaum sprechen kann, klingt, als würde es ihn sehr anstrengen. Zwischen den Sätzen hört man ihn nur stöhnen und röcheln und knurren, er merkt das gar nicht. Und er vergisst jetzt alles. Die Ärztin hat mich gestern angerufen und MICH gefragt, ob ich einem chirurgischen Eingriff zustimme, da er selber das nicht mehr entscheiden könne. (Er hat vor 2 Wochen eine Verfügung und Vollmacht geschrieben). Nun soll ein Blasenkatheder direkt durch die Bauchdecke in die Blase gelegt werden, da der andere Blasenkatheder schon eine Nekrose verursacht... Puh, es ist wirklich nicht lustig.

 

23.10.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich tun soll oder nicht. Pflichtbewusstsein. Und ich wollte sowieso immer in dem Haus wohnen. Nur halt irgendwie hatte ich mir immer vorgestellt, ich würde mit einem lieben Mann und zwei kleinen Kindern da wohnen. Und ersteren kann ich abhaken, und letztere sind schon groß. Somit passt das alles gar nicht mehr zusammen mit der aktuellen Lebenssituation mit 2 Halbwüchsigen. Ich war immer davon ausgegangen, nicht allein da hinzuziehen. Jetzt sieht es aber nach allein aus als einzige Lösung.

 

Ne eigene Wohnung im Haus wäre besser, aber das geht ja eben nicht. So eine Art von Haus ist es ja nicht. Sonst wäre ich schon längst dort. Letztes Jahr stand das Nachbarhaus leer, da habe ich meinem Vater gesagt, ob er das nicht nehmen will für mich, aber das wollte er nicht. Er wollte, dass ich stattdessen irgendwas miete, und dann später, wenn sie nicht mehr im Haus sind, dort einziehe. In der Nähe gibt es aber nie eine Wohnung zu mieten, nur in mehreren km Entfernung, das wollte er nie. Ich habe Immobilienscout jetzt schon seit wohl 3 Jahren aktiviert, dass ich Benachrichtigungen kriege...

 

Morgen hat Mutti Geburtstag, und ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, jetzt habe ich nicht mal die Karte geschrieben, die ich extra hatte machen lassen, ich Trottel.

 

25.10.

Oh Mann, Claudia hat grad einen Unfall gehabt und die Hüfte gebrochen. Was denn noch alles!!! Bewirkt durchs Entrümpeln! Sie hat Flaschen zum Container gefahren, mit dem Rad, und ist mit der Flaschentüte ins Rad gekommen und gestürzt. Notarzt, jetzt gleich Notoperation.

 

Bei den Kommunikationsproblemen, die ich gestern mit dem Pflegeheim und KH hatte, ist bestimmt irgendein anderer Planet auch noch rückläufig, der das nicht sein sollte. Momentan läuft echt alles schief, überall, rundum. Jetzt werde ich mal anrufen und rausfinden, ob mein Vater immer noch Sauerstoff bekommen muss, oder ob es besser ist. Ach je.

 

27.10.

 

Auf der Heimfahrt bei Aquaplaning und Schlitterschneematsch so viel Kalorien gegen panisches Adrenalin getauscht, dass ich jetzt eine Schachtel edle Tropfen in Nuss gefuttert habe.

 

29.10.

Mein Vater sagte zu mir heute - das machst Du ja doch nicht, Du bist nämlich viel zu lieb für so was.

Das wird der Grund sein - kein schlechter Mensch, drum geht’s mir auch so wenig gut.

Dafür habe ich heute wieder gehört, ich sei die schlechteste Mutter der ganzen Welt!

 

Den Vormittag habe ich mit einer Reihe von Telefonaten wegen der Lösung der Frage, was mit dem Mercedes wird, verbracht - tatsächlich von 8:30 bis gegen 14 Uhr nur damit!

Ich kann langsam nicht mehr.

Und morgen wieder Zahnarzttermin. Statt dass die Knirschschiene was hilft, ist es noch schlimmer, denn inzwischen knirsche ich jetzt schon tagsüber mit den Zähnen!!!

 

31.10.

Bei Papa ist die Entzündung wieder schlimmer geworden, aber sie haben immer noch nicht rausgefunden, was es ist. Ich hoffe, am Sonntag geht es ihm einigermaßen, an seinem 90. Geburtstag... Leider ist er nun so durcheinander, wenn man ihn anruft, bald wird er nicht mehr wissen, wer ich bin, fürchte ich.

 

Gestern habe ich ihn nach etwas gefragt, das er eigentlich besser als jeder andere Mensch auf der Welt beantworten können müsste, nämlich wie man Rosen wirklich richtig stutzt, er als Koryphäe auf dem Gebiet. Er wusste es nicht mehr! Dabei ist es eigentlich so, dass er Sachen von früher noch weiß, aber alles, was neu ist, sofort vergisst, sobald er einschläft, und er schläft irgendwie so alle 10 Minuten ein. Und Mutti hat auch so schlimme Schmerzen... Und beiden kann ich gar nicht helfen.

 

1.11.

Heute Mittag habe ich ein trauriges Erlebnis gehabt. Ich hatte mit Papa telefoniert - übers Handy der Stationsschwester. Während des Telefonats klingelte sein normales Telefon, und die Stationsschwester, die ja grad im Zimmer war, weil sie mir vor 5 Minuten das Handy gegeben hatte, gab ihm das Telefon, und dann hörte ich wie er zu Mutti am anderen Telefon sagte, so als hätte er nie mit mir gesprochen, nein, er habe grade gar nichts getan, sie hätte ihn gerade geweckt. Mich hatte er schon völlig vergessen in den 2 Sekunden, und er griff auch nicht nochmal nach dem Handy, so dass ich irgendwann dann aufgelegt habe.

 

Und Mutti geht es auch schlecht, sie hat so starke Schmerzen und kann fast gar nicht mehr gehen.

Meine Kiefergeschichte und Brustschmerzen habe ich auch immer noch. Aber das ist nicht so schlimm wie der Rest.

Ent-sorgt: nein, wirklich nicht. Sorgen eingerümpelt.

 

3.11.


Wieder mal mit der Ärztin telefoniert. Nun überlegen sie, ob sie meinen Vater nächste Woche entlassen können! Seufz. Ins Pflegeheim. Von Reha keine Rede mehr. Aber vorher wollen sie noch Lunge punktieren.

 

Über das KH in München kann man sich übrigens genauso oder noch mehr ärgern als über das, in dem Papa liegt. Ist das denn überall so verheerend!!! Wehe uns, wenn es uns mal erwischt.

 

Papa hat leider viel Wasser in der Lunge, das muss irgendwie raus, drum wollen sie versuchen, es mit der Punktion zu entfernen. Hoffentlich klappt das. Omi ist damals am Wasser in der Lunge erstickt, davor habe ich echt Angst.

 

Ich habe übrigens doch noch eine gute Idee gehabt, was ich Papa schenken kann. Er sagt ja, er will überhaupt nichts haben. Ich habe also einen quasi immerwährenden (wenn ich auch den scheußlichen Verdacht habe, dass er nicht sehr lange gebraucht werden wird) Kalender gebastelt unter dem Motto "an apple a day keeps the doctor away", für seine Erinnerung. Jeden Tag (1-31) ein Foto von meiner Mutti oder uns oder ihm oder seiner Schwester groß in der Drogerie ausgedruckt und in Apfelform (lauter verschiedene) zugeschnitten und in ein Fotoalbum mit wenig Seiten geklebt, das eine Spiralbindung hat, so dass man es aufstellen kann. Ist gut gelungen. Hilfe hatte ich auch, juchei, aber tatsächlich hat uns das Gebastel fast 4 Stunden beschäftigt. Dann habe ich noch auf der tollen Karte ein Gedicht angebracht, an dem ich auch einige Zeit getüftelt hatte, und das ist dann morgen das Geschenk. Dann hat er wenigstens eines. Auch wenn wir ihm nix mitbringen sollen.

Jetzt werde ich noch meine Sektgläser auswaschen und trocknen, und die nehmen wir dann mit einer Pulle Schampus ins KH mit. Die Ärztin hat es genehmigt, er darf ein Schlückchen mittrinken.

 

4.11.

Geburtstag von allen Beteiligten (Tante I. und Onkel J. auch da) gut überstanden! Der Jubilar war nach 1 Glas Champagner ausnahmsweise mal ganz wach und machte einen guten Eindruck. Vielleicht sollte man ihm öfter mal ein Glaserl Sekt geben.

Sie haben es sogar geschafft, ihm nach fast 8 Wochen und mehrfachen Anrufen von mir endlich mal die Haare zu waschen, somit wirkte er zwar etwas zerzaust, aber wenigstens etwas froh. Mein Geschenk war der Hit, insbesondere, da ja sonst lauter Glückwünsche von Ärztekammern und Bürgermeister usw. in schriftlicher Form vorlagen, und die diversen Weinlieferungen ja leider nur von Mutti verkostet werden können, und ansonsten niemand sich getraut hatte, irgendwas zu schenken, außer Schokoladen, die wir alle mit nach Hause nahmen, weil er eigentlich keine isst.

Das Auto meines Vaters ist nun ebenfalls übertragen, jedenfalls schriftlich. Zu schade, dass es in München diese blöde Feinstaubregelung gibt, mit dem Auto dürfte ich nicht in die Stadt fahren. Ist auch nicht so nachrüstbar, dass man könnte.

 

Die Heimfahrt war wieder scheußlich, strömender Regen plus Nebel, das ganze z. Teil auf der Landstraße, und als ich dann endlich Autobahn fahren durfte, hatte es dort gekracht und man konnte nur schleichen. Na ja, immerhin war ich 2 1/2 Stunden nach Abfahrt von Mutti dann auch mal daheim und bin froh drüber.

 

6.11.

Heute habe ich mal wieder ein neues Ordnungsprovisorium geschaffen, weil mir die verschiedenen Vorgänge, die ich für mich, für meine Freundin, für meinen Sohn1, für meinen Sohn2, für Papa, für Mutti alle erledigen muss, hier nur auf dem Schreibtisch rumfliegen. Ich habe also eine Bürozwischenablagemappe eröffnet und alles reingetan. Und nun weiß ich auch, warum ich hier nur noch am Rotieren bin und Tag und Nacht nur noch telefoniere. Die Mappe ist nämlich voll bis hinten hin. Bezeichnenderweise habe ich, wie ich, als ich fertig war, bemerkt habe, auf der LETZTEN Seite meine Unterlagen für Übersetzungen eingelegt. Die blieben bis zum Schluss übrig. Eigentlich müsste das ja ganz vorne sein. Aber für mich selbst ist momentan kein Platz in meinem Leben! Noch auf dem Schreibtisch verblieben sind die Zahnarztsachen, die passten nicht mehr in die Mappe.

 

Ich habe versucht, Mutti noch mal anzusprechen, dass sie ihn doch irgendwie mit einer Pflegerin zu Hause aufnimmt, aber sie will ganz entschieden nicht. Ich habe R. gefragt, ob ich das bei uns machen könnte, er ist fast ausgeflippt. Leider ist das keine Basis. Irgendwie haben wir ja miteinander hier schon genug Probleme, - sonst könnte Papa von mir aus ja hier einziehen. Aber dann müsste der holde Sohn ja auf sein Zimmer verzichten. Er hat kein Interesse dran, mit mir in einem Zimmer zu schlafen. Naja, nicht ganz unverständlich. Und es würden ja in diesem Fall 2 Personen dazu ziehen. Eine Pflegerin und Papa. Mir gefällt das überhaupt nicht, dass Papa nicht in seinem eigenen Bett gepflegt werden kann, aber es ist irgendwie einfach so. Es geht nicht.

 

8.11.

Wieder diverse Anrufe wegen Pflegeheim getätigt.

Einige Dankesschreiben für Gratulationen zu Vaters Geburtstag verschickt.

 

Claudia grade ein Nein übermittelt. Ich werde sie morgen nicht zu 2 Ärzten fahren. Ich kann langsam nicht mehr, was ich alles sollte und was jeder von mir will.

Ich habe grade erfahren, dass Papa nun doch Krebs hat. Sie meinen, dass sie ihm mit einer Therapie dafür nichts Gutes tun und verzichten darauf. Das ist bitter. Morgen oder am Montag wollen sie dann die Pleurapunktion machen, vor allem mit dem Hintergrund, dass auch diese Flüssigkeit womöglich ein Exsudat bösartiger Zellen sein könnte.

Trotzdem meinen sie, ihn am Mittwoch entlassen zu wollen. Ins Pflegeheim. Platz ist derzeit nicht vorhanden. Sie täten ihn aber nicht einfach nach Hause entlassen, nur, wenn er einen Platz hätte. Jetzt haben sie ihn in ein anderes Zimmer verfrachtet, wo er nicht mal mehr Ausblick nach draußen hat. Er ist jetzt zwar nicht allein im Zimmer, aber sie haben ihn mit lauter alten Herren zusammengetan. Als ich vorhin anrief, schliefen sie alle schon längst.

Am Sonntag fahre ich wieder hin, vorher geht leider gar nicht.

 

Das Büro muss derzeit mehr als ein bissel warten, ich bin aktuell jetzt auch noch mit der Pflegeanleierung beschäftigt. Dann kommen aber die Übersetzungen dran, und L. hat schon wieder 3 Sechser in der Schule bekommen und irgendwas muss ich machen, denn er schafft es nicht und ist auch voll frustriert. Jetzt will er in die Hauptschule gehen, was ja Quatsch ist, vom Gymnasium auf die Hauptschule wechseln zu wollen. Heute hat er mich nur am Telefon angebrüllt - heute war ja Telefontag, an dem ich ihn anrufen darf. Schließlich hat es mir so gereicht mit dem Gebrüll, dass ich ihm gesagt habe, nicht nur er habe Sorgen, sondern ich auch, und hab ihm erzählt von Papa, daraufhin hat er angefangen, haltlos zu schluchzen, und ich konnte ihn auch nicht mehr beruhigen. Das tut mir jetzt leid, hätte ich ihm nicht sagen sollen, aber ich bin langsam so zermürbt... Gestern hat mich Mutti so angebrüllt, und der R., und heute er, darf ich auch mal brüllen bitte!!! Menno.

 

9.11. 11:13

Gerade hat Papa angerufen, das erste Mal seit langem, dass er mal wieder anruft, er schläft sonst einfach die ganze Zeit. Momentan geht es ihm sogar einigermaßen. Aber die Diagnose von gestern hatte er schon vergessen. Haben wieder drüber gesprochen, und er meint, die Ärzte haben ihn halt "zum Abschuss freigegeben", und jetzt wollten sie ihn schnellstmöglich nur noch loswerden. Was soll man dazu sagen... Ich denke, dass es genauso auch ist. Aber natürlich werde ich ihm das nicht bestätigen wollen. Es tut einfach nur weh....

 

Für Palliativ ist es aber wohl Gottseidank nicht so weit.

 

Ich hoffe, dass mein Großer morgen mal mitkommt zu Papa, damit er mal sieht, wie er wirklich beieinander ist.

 

Mir wurde gesagt: "Solch eine Freundin wie Du bist, und auch eine Tochter, und eine Mutter kann sich jeder Mensch nur wünschen!!!!" Allerdings kann ich diesem Anspruch leider auch nicht bei allem gerecht werden. Mein Leben ist zu voll mit Miseren - das, was ich alles gerne geben würde, kann ich oft nicht. Und sehr oft erlebe ich auch traurige Missverständnisse mit Menschen, die meine Absichten fehldeuten. Es geht nicht, allen alles Recht zu machen.

 

12.11.

Waren heute wieder bei Papa. Wir haben ihm wieder einen Piccolo mitgebracht, und daraufhin war er relativ wach und sprach zusammenhängend. Allerdings fand er, dass der Alkohol so scharf war, dass er ihn nicht trinken könne. Wir haben trotzdem beschlossen, nächstes Mal auch wieder einen mitzubringen, denn es ist doch eindeutig besser, wenn er während eines Besuchs wach ist und nicht von 2 Stunden eine verschläft zwischendrin. Papa ist aber deprimiert, ansonsten wirkte er nicht so schlimm beieinander. Aktuell muss ich nun einen Hausarzt für ihn finden, und morgen wird das Auto abgemeldet.

Mein Sohn hat heute also mal gesehen, wie es ist, und er war ganz brav und nett heute. Außerdem haben wir ein Jackett ausgeliehen für sein Abi-Foto, das diese Woche entstehen soll.

 

Weitere Geburtstagspost meines Vaters zum Beantworten. Naja, kann ich schlecht ihm oder Mutti überlassen. Schreibt man einfach: Sehr geehrter Herr Bürgermeister oder Sgh Bürgermeister X oder wie? Euer Gnaden, Eure Eminenz, Hochwürden oder was? *lach*

 

Den Telefonanschlusstermin konnte ich verlegen.

 

13.11.

Bin immer noch dabei, einen Hausarzt für meinen Vater zu finden, bin schon ganz wuschig. Bis morgen muss ich den haben, denn übermorgen wollen sie meinen Vater ins Pflegeheim stecken, und ein Hausarzt, der ihn dort betreut, ist für die Voraussetzung. Heute wird er nun wohl doch noch punktiert, jedenfalls haben sie ihn dazu abgeholt.

 

Und jeder, den ich frage, behauptet, er hätte von diesem und jenem Fax noch nie was bekommen. Auch nicht die 2. Version und auch nicht die dritte. Argh! Selbstentrümpelnde Faxe sind wohl der Hit.

 

14.11.

Da ich endlich einen Arzt für meinen Vater gefunden habe, habe ich ansonsten versucht, heute ein bissel auszuruhen.

Papa sagte am Telefon, er sei stolz auf mich und dankbar, was ich alles für ihn tue, bestimmt sage mir die Mutti ja täglich dasselbe. Die habe ich im Anschluss 40 Minuten lang gesprochen, sie hatte sehr üble Laune und hat mich angeschnauzt, ich solle öfter, und zwar bitteschön lieber ohne Kinder vorbeikommen, und wie ich meine, dass sie zurechtkomme, ich täte mich überhaupt nicht kümmern, immer nur meine Kinder, aber mein Vater und sie seien ja wohl weitaus wichtiger im Moment. Jetzt bin ich echt frustriert. Wäre das hier Papier, würde man es an der zerlaufenden Schrift sehen. Außerdem habe ich heute zu allem Überfluss auch noch einen Verweis im Briefkasten gehabt. Montag habe ich Gespräch in der Schule. Sind ja nur 110 km.

 

15.11.

Weihnachten? Danach ist mir gar nicht. Das wird dieses Jahr wohl ganz anders als sonst, von mir aus kann es wegfallen, aber die Kids sind sicher nicht meiner Meinung.

 

So, Brief an die Herren Bürgermeister ist nun fertig.

 

Heute war Papa ganz gut klar im Kopf, habe mit ihm über das Telefonat mit Mutti gestern gesprochen, und er hat mich getröstet. Habe aber gemerkt, dass mir trotz Massen von Johanniskraut, das verhindern soll, dass ich rumheule, das Wasser weiterhin nicht nur bis zum Hals, sondern bis zum Augenrand steht.

 

Und nun liegt auch noch Richard im selben Krankenhaus, und zwar wegen Krebs. Iris hat mir gesagt, ich solle in einen Hexenladen gehen und fragen, ob es ein Mittel gibt, um einen Fluch abzuwehren... mein Leben scheint ein schwarzes Loch zu sein, da passt unendlich Kummer hinein. :-((

 

18:34

Zu Papas Zustand wurde mir heute gesagt, der Krebs habe nicht gestreut. Aber wir machen uns doch trotzdem Sorgen, schließlich ist einer da, und das ist keine harmlose Sache wie etwa ein Lipom. Naja, immerhin hat man noch mal ein bisschen mehr Zeit. Möglicherweise. Wenn der Patient sich nicht aufgibt. Habe die Ärztin noch gebeten, Papa ganz genau zu erklären, dass sie nicht operiert haben, weil es NICHT SO SCHLIMM ist, und nicht, weil es SCHON SO SCHLIMM ist. Für meinen Vater ein bedeutender Unterschied.

Inzwischen sollte er jetzt ins Pflegeheim verlegt worden sein, hab aber noch nichts gehört.

 

00:13

Papa ist also im Pflegeheim gut angekommen, habe ihm jetzt auch ein Telefon verschafft, und er war heute Abend zufrieden mit seinem Zimmer und dem Transport. Ob und wo er was gegessen hat, daran konnte er sich nicht erinnern.

Ich suche nach einem Fernseher für ihn, allerdings schaut er ja kaum noch, weil er meist vergisst, wie man umschaltet, und wenn dann im voreingestellten Programm nix kommt, schaltet er aus... Habe also mal wieder viel rumtelefoniert, 15 Telefonate sagt die Liste.

 

16.11.

Offenbar hatte die Ärztin Papa das so erklärt, wie ich sie gebeten hatte, denn er ist nun wieder optimistischer. Ich versuche auch jeden Tag, ihn aufzumuntern.

 

17.11.

Habe heute Papa gefragt, er würde ganz gern das Gemälde von mir haben, auf dem ich drauf bin von der Ausstellung, wo ich die „echte Milbertshofnerin" bin. Mein Sohn beschwert sich dauernd, dass man voll gestört sein muss, wenn man in der eigenen Wohnung ein Porträt von sich selber hängen hat. Gut, wenn mein Papa es gerne hat, ist das vermutlich auch sinnvoller. Morgen geht’s ab zum Papa, und nach Eichstätt, und übermorgen nach Eichstätt und zum Papa, und das Telefon anschließen, und zum Arzt, und zum Einkaufen, seufz...

 

18.11.

Mein Bild steht im Gang, abfahrbereit, hoffe, Papa freut sich.

 

19.11.

So, ich bin wieder zurück. Meine Meinung über das unsägliche Klinikum hat sich noch weiter verschlechtert, da sie diesmal meinen Vater offensichtlich ohne sein teures Metallkorsett, ohne das er das Bett nicht verlassen darf, per Notarztwagen ja ins Pflegeheim verfrachtet haben, wo er denn in ein anderes Bett umgelagert wurde. Also, ohne Korsett angezogen, und das Korsett ist auch weg. Weder im Klinikum, noch im Pflegeheim, noch in einem der Krankenwagen der entsprechenden Transportflotte. Diesmal war ich aber mit Stinkwut im Krankenhaus und habe der Oberärztin die Meinung gesagt und dass, wenn beim Röntgen meines Vaters nun neuerlich was festgestellt wird, wir uns das jetzt nicht mehr gefallen lassen. Die Szene mit der Lungenentzündung habe ich ihr auch im Detail geschildert und wenigstens eine entsprechend angemessene Entschuldigung bekommen. Ich hatte den Eindruck, sie haben heute beide, die Stationsärztin und die Oberärztin ziemlich Muffensausen bekommen. Und das sollen sie auch, es ist wirklich genug jetzt.

Ansonsten hatte ich 2 superanstrengende Tage mit zig Terminen, und leider eigentlich nur schlechten Nachrichten. Mag gar nicht noch mehr schreiben.

 

Mein Bild ist immerhin gewürdigt worden, und prangt nun an der Wand bei Papa, der sehr stolz drauf ist.

Mutti hat nun moderne Telefone statt des musealen Uraltgerätes. Sie hat sich erst ziemlich angestellt und war total gereizt, dass sie jetzt mit diesem neumodischen Schnickschnack umgehen muss, wo man weder was sehen, noch was vernünftig hören kann, und das nur so schreckliche Klingeltöne hat und fürchterlich kompliziert ist, aber als ich dann von zu Hause aus anrief, hat sie in der Küche mit mir telefoniert und musste nicht im Gang sitzen, sondern konnte dabei gemütlich am Tisch sitzen und was trinken, vielleicht kommt sie doch noch auf den Geschmack.

Ansonsten: viel Benzin verfahren, neue Klamotten für meinen Vater (4 Jogginganzüge und Pyjama, Unterhemden, Oberteile...), gekauft, weil die dort einen Wäschedienst haben, der nur 1x in der Woche liefert, und er braucht chronisch was Neues.

 

20.11.

Das Korsett ist heute vom Krankenhaus her angeliefert worden, ohne Erklärung, wo es sich befunden hat. Die haben ordentlich Panik gekriegt, glaube ich. Wenigstens ist es jetzt da. Ich hoffe weiterhin, dass er nicht wirklich weitere Wirbel gebrochen hat, dadurch, dass sie ihn unkorsettiert ins Pflegeheim gebracht haben.

Geistig ist er heute definitiv viel schlechter beieinander. Man kann kaum noch was Vernünftiges mit ihm reden. Eine Bahnhofsuhr verlässt demnächst das Haus, Papa will sowas haben, und ich habe es hier. Prima.

 

21.11.

Komme grade vom Kardiologen, Verdacht auf Myocardentzündung kann ich fallen lassen, es ist nur eine Herzdurchblutungsschwäche.

 

Nachher habe ich Termin beim Zahnarzt, meine Laborergebnisse sind da. Mal sehen, was sie mir verpassen. Werde aber den Mund kaum ganz aufmachen können. Habe die ganze Unterlippe voller Fieberblasen - tut gemein weh.

Klar, ich gehe BUCHSTÄBLICH auf dem Zahnfleisch!!!! Ha, sehr gut erkannt, Frau Doktor! Und den Mund fransig reden muss ich mir auch. Davon die Lippe...


Jetzt habe ich also meine 2 Sorten Antibiotika.

 

23.11.

Heut habe ich mal was Positives zu vermerken!

- Einen fast neuen LCD-Fernseher recht günstig für meinen Vater gekauft.

- Die Autoversicherungsprämie meines Vaters kann ich auf mich umschreiben. Statt 50% nur noch 27% zu zahlen.

 

24.11.


Gute Nachrichten hatte ich heute noch nicht so viele. Meine Eltern sind heute beide krank! Und ich habe Probleme mit der Verträglichkeit der Antibiotika. Bin ständig im Bad.

 

21:31

Papa hustet furchtbar. Habe die Pflegerin angerufen, ob sie sich nicht kümmern kann. Nein, können sie nicht, erst am Montag. Solange kein Arzt verschrieben hat, dass sie was tun sollen, können sie nix machen. Hä??? Ich bat um heißen Tee oder heiße Milch mit Honig oder ein nasses Handtuch auf die Heizung. Das ist scheint‘s zu viel verlangt. Morgen knöpfe ich mir die mal vor. Da bin ich vor Ort.

 

25.11.

War bei Papa, hab für anständigere Behandlung gesorgt und hoffentlich auch für eine Semmel zum Frühstück, die er sich wünscht, aber immer nur Brot kriegt. Den Fernseher installiert, den ich jetzt gekauft habe, die Funkkopfhörer habe ich irgendwie nicht hingekriegt, dass die mit dem Fernseher zusammenarbeiten wollen. Aber es geht glaub ich auch so mit der Lautstärke.

 

Heute Abend habe ich mit ihm telefoniert, mit dem Ergebnis, dass er mich nicht mehr von der Strippe gelassen hat, 50 Minuten lang hat er kommentiert, was er grad im Fernsehen sieht, aber immerhin hat er 50 Minuten am Stück sein Gehirn benützt. Sonst schläft er ja nur! Ein Sonnenblumenbild von Omi habe ich bei ihm gelassen, denn ich habe ja 2 Sonnenblumenbilder, und das ist bissel viel für meine Wohnung. Außerdem die Funkuhr und das kleine Radio und Armstulpen und selbstgestrickte Socken und und und... sein Zimmer füllt sich, sieht jetzt wohnlicher aus.

Hab ihn 2x mit einem Erkältungsbalsam auf der Brust eingerieben, da war der Husten dann schon besser. Während des Telefonats hat sich das allerdings wieder nicht sehr gut angehört. Hoffe, die Schwester reibt ihn auch noch mal wieder ein.

Ich habe mich total geärgert, dass sie ihn einfach "unten ohne" im Bett liegen lassen. Da können sie ihn besser saubermachen. Na und? Ich finde das so würdelos. Die können ihm doch eine Hose anziehen. Aber dazu haben sie keine Lust, das ist ihnen zu mühsam. Konnte sie nicht dazu bringen, dass sie das machen. Sie täten ihm eine anziehen, wenn sie ihn in den Rollstuhl tun. Das will ich hoffen. Aber in dem saß er bislang erst 1x. Sie haben ihm die Haare geschnitten (der hauseigene Friseur), so eine bescheuerte Frisur hatte er noch nie. Statt nackenlanger Haare haben sie sie ihm stiftelkurz gemacht!!! Spinnen die! Mag ja wohl praktischer sein, aber bis er wieder ausschaut wie gewohnt, dauert es sicher ein Jahr!!! Den Rest der Haare fand ich auf dem Rollstuhl. Vielleicht ist dieser Haarschnitt auch der Grund, warum er diesen Husten hat. Vorher war es ja sein Leben lang warm am Kopf. Leider hatte ich den Vorschlag gemacht, dass er sich da die Haare nachschneiden lassen könnte. Könnt mich in den sonst wohin beißen. Nächstes Mal schneid ich lieber selber. Seine Nägel schneide ich auch selber, wer weiß, was dann die Fußpflegerin noch mit ihm anstellen würde...

 

25.11.2012 21:50:15

Ich glaube nicht, dass es mir schwergefallen wäre, ein Schloss mit 60 Zimmern zu füllen, das wäre eine Zeitlang der Traum meiner schlaflosen Nächte gewesen, so viel Platz zum Füllen zu haben. Living in the material world... aber jetzt ist mir klargeworden, dass es ja alles total sinnlos ist. Nur eine Möglichkeit, die Leere zu füllen, die positive zwischenmenschliche Beziehungen besser füllen würden. Irgendwann wird einem alles zuwider. Und an Papa sehe ich: auch wenn man bis zum Lebensende genügend Kohle angescheffelt hätte - sie würde einem nicht helfen, wenn man so eine Krankheit kriegt wie er. Wenn die Medizin noch nicht so weit ist, was hilft es!

 

Jetzt werde ich dann mal was gegen Müdigkeit tun. Die Autofahrerei macht mich mürbe. Gute Nacht!

26.11.

In dem Pflegeheim ist leider auch kein Arzt, der am Wochenende mal schauen könnte. Da bringt jeder ja seinen eigenen Arzt mit, der dann nur wochentags kommen kann/will. Vielleicht sind ja auch nur wir so anspruchsvoll, dass man sich denkt, mit über 3000 Euro im Monat könne man was erwarten. Vielleicht ist das ja noch die untere Grenze, keine Ahnung, wir haben ja nur das eine Pflegeheim angeschaut, weil meine Eltern sich das seit Bau vor ein paar Jahren wohl als etwaige Altersresidenz für den Notfall überlegt hatten und Mutti sich auch nicht grad unbedingt weiter umschauen wollte. Angesehen hatten sie aber nur die Hochglanzprospekte, nie das Haus. Das Haus an sich ist ja wie ein nobles Hotel. Aber die Pflege finde ich jetzt nicht sonderlich toll. Und das Vorführzimmer war wunderbar, sein Zimmer aber nicht.

Ich habe mir überlegt, dass ich die beiden künstlichen Blumentöpfe Papa vorbeibringe. Einen mit roten Blüten und einen Olivenstamm. Sehen beide durchaus echt aus und sind äußerst pflegeleicht.

27.11.

Wenn man so im Sumpf steckt, ist es schwierig, über den äh sagen wir mal Sumpfrand hinauszuschauen... Die wichtigste Erkenntnis hier bei mir ist derzeit tatsächlich: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Was nützen die ganzen Schätze, man kann sich letztendlich die verlorene Gesundheit nicht erkaufen, und von den Schätzen muss man vielleicht ganz plötzlich und ohne Ankündigung Abschied nehmen. Und für jemanden anderen verwandeln sie sich dann in eine Belastung. Vielleicht kann man versuchen, solange es noch geht, sich das zu Herzen zu nehmen.

Mit den Pflegern insgesamt kann man wohl nirgends richtig zufrieden sein. Die Ärzte in letzter Zeit hatten zumindest, habe ich das Gefühl, meistens noch eine sinnvolle Sicht. Das Problem, mit dem WIR letztens zu kämpfen hatten, war eigentlich nicht durch die Ärzte bedingt.

 

Jetzt rufe ich dann mal endlich Mutti an. Sie hat heute eine Knochendichtemessung machen lassen, ich hoffe, sie berichtet jetzt nichts Niederschmetterndes. Trau mich kaum ans Telefon.


…Und Mutti hatte gute Nachrichten! Bei ihr ist die Osteoporose nicht weiter fortgeschritten, ihre Knochendichte ist ganz OK. Und Freudeüberfreude - das Hüftgelenk ist auch richtig. Diesmal, nach der dritten Hüftgelenks-OP. Die Schmerzen, die sie also ständig hat, wo sie denkt, sie kann nicht mehr gehen vor Schmerzen, sind also NICHT dadurch bewirkt, dass das Bein sich ausrenkt. Wodurch die Schmerzen dann bedingt sind, weiß keiner, aber ich hoffe, dass es dann doch nur irgendwas mit Muskeln und Nerven zu tun hat. Und dagegen kann man vielleicht mit massieren oder irgendeiner Bewegungsübung ankommen. Ist jedenfalls besser als 4. Hüfte.

 

Und dann waren wir wieder beim Thema Umzug, wie immer. Ach Mann, das geht jetzt nicht. Kann mich nicht jemand einfach klonen? Eine Version für Mutti und Papi und mich hier lassen. Ich möchte beides und kann nicht.
 

29.11.

G. und ich besuchen morgen meinen Vater. Sie haben sich seit dem Vorfall nie mehr gesehen. Wie der ganze Tag morgen läuft, da bin ich auch gespannt. Bei Papa, die Realschule, die Fahrt im Schnee... Und dann übermorgen der Besuch von meiner Freundin N....

 

1.12.

Entrümpelt: Ideale von der Gymnasiumtauglichkeit meines Sohns. Ab Montag geht er in die Realschule, und zwar eine Klasse tiefer.

 

Gestern bei Papa: er war anständig angezogen, von oben bis unten und frisiert. Sie wussten, dass wir kommen. Papa war super drauf, als G. kam und klar im Kopf. Sie haben sich beide mit Freundlichkeit behandelt ohne irgendwelche Ausrutscher und Papa hat sich offenbar sogar gefreut, dass G. kam. Gegenseitig haben sie sich quasi so ein bissel ihr Wohlwollen ausgedrückt, dass sie nichts speziell gegeneinander haben, und G. hat gefragt, ob er evtl. noch mal wieder vorbeikommen dürfe, und Papa hat zugesagt. Ansonsten haben wir über das Treffen nicht miteinander gesprochen, weder mit G., noch mit Papa.

 

Und die Pfleger... 6 Tage lang tun sie nix, schätze ich. Aber heute ordentlich anziehen. Und im KH, die den Nachtdienst machten, hatten nicht mal vernünftige Deutschkenntnisse, dafür extrem sorgfältiges Makeup.

 

So, nachher düse ich also los zu Papa. Ich bin ja gespannt, wie ich ihn vorfinde! Ob mit oder ohne Klamotten im Bett.

 

6.12.

Habe Papa anhand des Röntgenbildes, das ich gemailt habe, zu den Zähnen meines Knaben befragen können. Er weiß zwar nicht mehr, ob Morgen oder Abend, Sommer oder Winter ist und wo er sich befindet, aber mit den Zähnen kennt er sich noch aus. Das ist lang genug her.

 

11:30

Raaaaa... Nächstes Dilemma. Mutti ist wohl eine Ader geplatzt. Ich wollte sie am Montag schon hinbringen, aber das hat sie vehement abgelehnt. Sie hatte eine komische Schwellung neben dem Oberschenkel innen, ganz riesig dick und weich. Dienstag war das dann hinters Knie gewandert, gestern war es ein handgroßer Bluterguss plus Schwellung, heute ist das komplette Bein schwarz! Jetzt ist sie beim Arzt. Was denn noch alles... Ich hoffe, dass sie jetzt nicht auch noch ins KH muss, sonst ist Land unter. Papa ist grade mal in etwa stabil, abgesehen von der schrecklichen Vergesslichkeit.

 

Muttern ist wieder daheim, der Orthopäde aus der Praxis war nicht da. Jetzt muss sie ein 2. Mal um 16 Uhr mit dem Taxi durch die ganze Stadt gurken, weil ich sie ja nicht fahren kann. Auch blöd. Macht 4 Fahrten mit dem Taxi.

 

Mutter ist wieder daheim, mit Stützstrümpfen und Kortisonsalbe versehen, morgen muss sie wieder 2 Taxifahrten zum/vom selben Arzt schaffen. Warum das ganze Blut unter der Haut ausgelaufen ist, weiß der Arzt auch nicht.

 

08.12.2012 21:47:18

Haha, Weihnachtsvorbereitungen… Mein Christbaum wurde jedenfalls mal heute geliefert, zu Mutti. Und den Termin von Montag kann ich erfreulicherweise streichen, da der Herr B., mit dem wir ein Gespräch im Pflegeheim führen wollten, die Grippe hat. Er kam gar nicht auf die Idee, den Termin abzusagen, er meinte, er ist ja heute früh erstmals für eine Stunde aufgestanden, da besucht er am Montag meinen Vater. Wie bitte? Mein Papa mit seiner auf 5% reduzierten Immunabwehr kann sowas bestimmt sehr gut brauchen. Der soll mal schön daheimbleiben! Das wäre ja schon fast sträflich!

Ich muss aber trotzdem hin, denn Mutti muss ich zum Arzttermin begleiten. Es wird wieder ein langer Tag.

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10.12.

Habe bei Mutti ca. 20 Schachteln Medikamente von Papa ins Pflegeheim entrümpelt, weil die von uns 86 Euro Zuzahlung für Medikamente wollen, obwohl alles zu Hause schon vorhanden war, neu gekauft. Dann haben sie total Stress gemacht, weil eines der Medikamente scheint‘s unter ein Drogengesetz fällt, und wir nun erst mal beweisen müssen, dass wir ein Rezept dafür hatten! Das Rezept ist ja aber in der Apotheke eingelöst, das Medikament ist zu. Ist ja wohl der Witz. Ohne Rezept hätten wir das ja wohl kaum bekommen. So ein Schmarrn!

Dann habe ich beobachtet, wie Mutti ihre Pullis aus einer Schublade im Schranksockel zieht, dabei kann sie sich nicht bücken. Hab ihr angeboten, zusammen den Schrank anders einzuräumen, damit sie besser hinkommt, und evtl. was auszusortieren, was nicht mehr passt. Sie hat das überhaupt nicht gut aufgenommen, sondern gemeint, ich solle bitteschön warten, bis sie gestorben sei, dann könne ich direkt alles wegschmeißen. Mensch. Warum mach ich immer alles falsch…

Überhaupt haben wir uns vermehrt in die Haare gekriegt. Apropos Haare, die habe ich ihr auch geschnitten, aber ich kann das nicht grade gut. Diverse Überweisungen geschrieben, jeder Hinz und Kunz will eine Zuzahlung von 5 Euro überwiesen haben.

Dann habe ich sie zu 2 Ärzten gebracht und rausgeschlagen, dass sie 6x Krankengymnastik kriegt und habe ihr jemanden organisiert, die nach Hause kommt dafür.

Ne Menge weitere Bürokratie konnte ich telefonisch erledigen. Denen im Pflegeheim habe ich einen weiteren Anpfiff verpasst, weil Papa wieder ohne Hose im Bett liegen muss. Mal sehen, was beim nächsten Mal ist!

Mutti in Lektion 2 beim Gebrauch moderner Telefone eingewiesen (Abrufen eingespeicherter Telefonnummern). Langsam findet sie Geschmack an dem Gerät.

Den angekündigten Christbaum heimgebracht. Er ist allerdings deutlich größer als 1,50, ich schätze mal 2,10 oder so. Hm. Ich komme mit dem Ding in die Wohnung und kriege vom (großen) Sohn zu hören "voll unnötig!!!" Perfekt! Wir werden sicher auch weiterhin ein paar Illusionen entrümpeln.

Papa hat das jetzt getan, er ist sichtlich depressiv. Es ist ja kein Wunder. Nicht mal meine blöden Witze bringen ihn noch zum Lachen, dabei hatten wir letzthin denselben Humor.

 

14.12.

Die Medikamentenliste meines Vaters muss ich auf Unverträglichkeiten kreuz und quer testen.

 

An meine Großeltern denke ich immer, wenn ich abends zum Himmel schaue und dort Sterne sehe. Dann kann ich immer noch ihre Stimmen hören, wie und was sie früher gesagt haben, wenn ich das möchte, und mich gut an sie erinnern, besser als wenn ich am Grab stehe und mich irgendwie blöd fühle, wenn ich mit ihnen rede, obwohl sie nach meinem Gefühl nicht mehr dort sind. Wo sie sind, weiß ich nicht, aber da am Grab wohl eher nicht. In meinem Kopf ist auf jeden Fall mehr von ihnen als dort.
 

17.12.

 

Minichristbaum bei Muttern aufgestellt. Ein Befreiungsschlag für uns beide, seltsamerweise. Papa hat die letzten 10 Jahre auf diesen kleinen Christbaum wohl jeden Schnipsel Geschenkband gehängt, der an den Weihnachtsgeschenken war. Oh Gott. Wir beide, Mutti und ich fanden das so entsetzlich, aber ihm gefiel es. Man sah keinerlei Grün mehr. Heute habe ich im Einvernehmen mit Mutti diese ganzen Geschenkbänder abgemacht, runtergeschnitten, einen ganzen Eimer voll!!! Und siehe da, drunter kam eine durchaus geschmackvolle Deko mit Strohsternen und roten Holzfiguren und einer Lichterkette zu Tage! Wir haben beide wirklich Freude gehabt an dem so gänzlich neu ausschauenden Christbäumchen, gemütlich und richtig weihnachtlich. Wahnsinn. Sind wir nun schlechte Menschen, dass uns das so gutgetan hat, oder haben wir einfach einen ganz anderen Geschmack? Dem Papa haben wir nur gesagt, dass wir den Christbaum aufgestellt haben. Nun hat er bestimmt in seinem Kopf die Vorstellung des völlig überladenen Christbaums mit den gekringelten Geschenkbändern in 40 verschiedenen Farben, und über diese Vorstellung hat er sich wahrscheinlich dann gefreut...

Später habe ich dann einen Teil der Kringelbänder recycelt, wieder aus dem Müll rausgeholt: Habe nämlich Geschenke von der Oma für die Enkel gekauft und verpackt. Geschenke für die Bekannten von Mutti, für die Betreuer im Pflegeheim fertiggemacht und zum Teil auch noch überreicht...
 

Totaler Stresstag, auch noch bei der Bank und mit Muttern beim Arzt und 2x beim Einkaufen. Mittagessen von McDonalds, Abendessen von KFC... Und am Freitag soll ich wohl schon wieder her, denn da ist dann die Begutachtung vom Medizinischen Dienst. Gibt es überhaupt noch einen Tag, an dem ich selber was planen kann? Samstag krieg ich Besuch, Mittwoch muss ich einen Besuch machen, dazwischen 3 Übersetzungsaufträge reinquetschen, Sohn hat noch 3 Klausuren und ich muss helfen, meine Weihnachtspost für die Kunden steht immer noch aus und eben die Steuererklärung. Und ich habe noch keine Geschenke für die Kinder. Doch, ein einhalb für den einen und eines für den anderen. Aber im Verhältnis sehr unausgewogen! Ich weiß eh nicht mehr, wie ich noch alles erledigen soll, was ich grad erledigen muss.

Heimfahrt auf der Autobahn bei stockfinsterer Nacht, diesmal wenigstens ohne strömenden Regen oder heftigen Schnee oder Bodennebel.

Meine Stiefel habe ich meiner Mutti geschenkt, sie braucht sie wohl nötiger als ich, denn ich kann mir jederzeit wieder welche kaufen, sie aber nicht! Meine Stiefel passen ihr ganz gut, und mit den normalen Schuhen war sie letzthin überall rumgerutscht, wo sie ja eh nur mit Stock gehen kann. Ich habe noch Stiefeletten, das geht genauso für mich.

Am Freitag ist also die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst, um festzustellen, welche Pflegestufe mein Papa kriegt. Ich muss nun doch nicht schon wieder hin, was für ein Glück.

18.12.

Mutti sagt immer, man müsse die Uhr mal wieder "motivieren", oder sie wisse nicht, wie man etwas wieder "motiviert", wenn es kaputt ist. Ist das Schweizerdeutsch oder Marke Eigenbau? Ist mir am Wochenende so aufgefallen, weil sie es so oft gesagt hat. Also, wer motiviert mich jetzt? Im Sinne von: am Rädchen drehen, damit ich wieder im Takt laufe? Aber nicht aufziehen bitte. ;-)

 

19.12.

Wehe, der Weltuntergang findet am 21.12.2012 statt! Ich hätte dann meine Zeit wohl besser als jetzt verbringen können. Den ganzen Tag Steuererklärung und Beschwichtigungsversuche bei Mutti, die ständig meinen Vater anruft, nur um festzustellen, dass sein Telefon immer noch kaputt ist, und er sie nicht hören kann, nur sprechen. Dann ruft sie jedes Mal mich an und berichtet mit zunehmender Verzweiflung, dass er so reagiere, als sei niemand dran. Ich habe jetzt dreimal im Pflegeheim drauf gedrungen, das Telefon auszutauschen, es wurde 2x ausgetauscht, nun liegt es aber wohl nicht an den Telefonen. Man kümmert sich drum. Ja Mensch, was kann ich denn sonst noch machen!!! Nach Ingolstadt kommen, und das Telefon persönlich in Augenschein nehmen? Bin mit den Nerven am Ende!

 

21.12.

Hurra, das Poster für meinen Papa ist da! Ich habe mich so geärgert, dass es immer noch nicht kommt, und kommt und kommt nicht. Und dann habe ich im Posteingang gesehen, dass ich angekreuzt hatte, ICH hole es bei Hermes ab! Da kann ich lange warten. 10 Tage Lagerfrist dort. Heute war der letzte. Es war noch da.

 

Ich habe für das Poster jetzt einen großen Rahmen verwendet, der mir immer im Weg stand, am Boden neben dem Fenster. Nun habe ich im Schweiße meines Angesichts den Hintergrund mit einem passenden Geschenkpapier bezogen, und alles genagelt und geklebt und verstärkt, einen Aufhänger improvisiert, den Rahmen nachgepinselt und das Fotoposter aufgeklebt. Ein Glas habe ich nicht, aber braucht es auch nicht, denke ich. Sieht jetzt jedenfalls ganz gut aus. Ich hoffe, ich habe mich nicht im Platzangebot verschätzt, denn der Rahmen ist schon ziemlich breit.

 

22.12.

Für meine Mutti habe ich auch nur so wenig. Für meinen Papa dafür jetzt noch zusätzlich 8 Packungen Feuchttücher, schön verpackt. Naja. Letzteres wird ihn sicherlich besonders freuen. *hüstel*

 

Immerhin steht in unserem Wohnzimmer der schöne Weihnachtsbaum seeeeehr prominent ob seiner überdimensionalen Statur, jedenfalls für den geringen übrigen Stellplatz überdimensional. Toll schaut er immerhin aus. Es gibt also doch einen Hauch von Weihnachten bei uns.

 

26.12.

Bin bei Mama und hab mir eine Flatrate gegönnt als Weihnachtsgeschenk. Allerdings habe ich kaum Zeit, ins Internet zu schauen!

Ansonsten habe ich Paillettenumhänge von 1920 bekommen und eine Paillettenkappe und ein Paillettenstirnband. Eher für die Oper oder einen Ball. 1975 war ich auf einem Ball. In der Oper noch nie.

 

27.12.

Die Putzfrau meiner Mutti ist, kann man wohl meinen, etwas kaufsüchtig. Sagt Mutti ihr, sie hätte gern mal einen Apfel, wenn sie einkauft, kommt sie scheint‘s 1/2 Stunde später mit 1 kg Äpfeln und weitere 1/2 Stunde später aus einem anderen Laden mit nochmal 2 kg Äpfeln.

Zu Weihnachten hat sie sich gedacht, sie bringt Papa (der völlig appetitlos ist, und sich quasi mit Astronautennahrung ernährt) ins Heim mal ein bisschen Lebkuchen, Baumkuchen, abgepackte Kuchen vom Aldi oder so (verschiedene Sorten), Mon Cherie, Ferrero Küsschen und Rocher Kugeln. Außerdem mehrere Weihnachtsschokoladen und Zartbittertäfelchen. Könnte ja sein, dass auch die Enkel mal vorbeikommen.

Dann hat sie sich gedacht, da aber Mutti ja nicht ins Heim zu ihm kommt, kauft sie für Mutti, (die derzeit eher keinen Zucker essen mag oder soll), auch ein bisschen was ein. Z.B. Zartbittertäfelchen, zig Weihnachtsschokoladen, Rocher Kugeln, Ferrero Küsschen, Mon Cherie, mehrere Sorten abgepackte Kuchen von Aldi oder so, Baumkuchen und noch ein bisschen Lebkuchen.

Dann hat sie sich gedacht, es könnte aber sein, dass vielleicht Tochter und Enkel auch mal zu Weihnachten da sind. Da kaufe ich denen doch mal was ein, damit sie sich freuen. Tochter, die keine Schokolade isst, Enkel, die keinen Kuchen essen und nur ganz wenige Sorten gefüllte Schokolade essen. Nun ja, dann hat sie das ganz Sortiment also noch 3x gekauft und noch ergänzt durch mehrere, so ca. 8 Schokoladennikoläuse.

 

Ach ja, eine weitere Ergänzung war ein Witzebuch für Mutti. Als diese meinte, sie würde das Papa geben, vielleicht läse der das ja, meinte die Putzfrau, der habe auch eines bekommen, ein anderes, dann können sie nach dem Lesen tauschen. Da kann man natürlich lange warten, denn beide können Witze eher nicht leiden. (Ich auch nicht, und meine Kinder haben auch eine ziemlich spezielle Art von Humor, mit solchen Büchern langweilen sie sich).

Nun, dies ist jetzt eine recht überspitzte Darstellung, und ich habe sicherlich etwas übertrieben dabei. Aber das Grundprinzip läuft wohl so ab. Was gibt es denn da für eine Möglichkeit, die Frau zu stoppen? Sie meint es natürlich total lieb, das ist uns schon klar. Aber dieser schreckliche, unnötige Überfluss! Wenn es wenigstens was wäre, das man irgendwie mal brauchen kann!

 

Der Dame täte ein Ehrenamt gut, aber dann hätte sie womöglich keine Zeit mehr, sich um Mutti zu kümmern. Somit hat sie ja eigentlich ein Ehrenamt, wenn auch ziemlich speziell. Sie schaut jetzt täglich mehrfach oder alle paar Tage nach Mutti, der das gar nicht immer so recht ist, weil sie sich dadurch oft unfrei fühlt. Aber ich finde es trotzdem gut. Wenn ihr was passieren würde, würde sie wenigstens rasch gefunden. Niemand hat jedoch die Frau beauftragt, sich so zu kümmern, sie tut das, weil sie es wohl für richtig hält. Sie ist auch oft nicht zu bewegen, das Geld zu nehmen, das Mutti ihr geben will, dafür, dass sie den Schnee schippt, oder einkauft oder so. Sie besteht manchmal darauf, entweder kein Geld zu nehmen oder für die Einkäufe, die Mutti dann mal veranlasst hat, ganz genau jeden Cent rauszugeben.

 

31.12.

 

Wünsche uns: ab morgen eine deutliche Besserung in allen Schieflagen, die Fähigkeit, die eigenen Baustellen zu bereinigen und ausreichend Energie, um auf dem Weg nach oben nicht hängen zu bleiben! Bis nächstes Jahr!

 

2013

 

7.1.2013

 

Hab bei meinem Papa im Pflegeheim ausgeräumt, den ganzen Weihnachtsramsch, den er nicht braucht. Leider kann er fast nichts essen, aber jeder hat ihm was zum Essen mitgebracht. Gestern und heute ist ihm schon wieder schlecht geworden, und anscheinend wird ihm jeden Mittag schlecht, wenn er sein Essen kriegt. Dabei isst er wie ein Spatz. Nur das Eis hat ihm geschmeckt und hat er auch vertragen, seltsamerweise.

 

8.1.

Papa geht es schon wieder ein Stückchen schlechter. Er verträgt irgendwie sein Essen nicht und muss sich ständig übergeben.

 

15.1.

 

Heute haben sie die Pflegestufe meines Vaters festgesetzt. Stufe 1. Er ist ja querschnittgelähmt und kann überhaupt nichts selber machen, über seine Verdauung hat er keinerlei Kontrolle. Im Rollstuhl sitzen bewirkt Erbrechen. Ich habe direkt Einspruch eingelegt und Höherstufung beantragt!

 

Hach ja, die brauchen 3 Leute, um ihn überhaupt aus dem Bett zu kriegen. Da er nicht sitzen kann, stelle ich mir es auch sehr praktisch vor, ihn zu duschen. 12 Minuten für jeden der 3 vielleicht, aber nicht insgesamt...

Ein Pflegetagebuch wird im Stift geführt, ich weiß nicht, warum das so rausgegangen ist. Haben die da die Hälfte der Eintragungen nicht gemacht, überlesen, oder nur für 1 Person geschrieben? Nächstes Mal will ich mit dabei sein, wenn die ihn durchchecken.

 

Am Freitag hatten wir eine Geschichte mit Mutti, wo sie fast verblutet wäre, weil einfach eine Ader geplatzt ist, und sie war ganz allein! Sie hat sich überlegt, einfach so da zu sitzen, und das Blut laufen zu lassen. Wenn ich jetzt nicht genau dann angerufen hätte????????? Ich bin dankbar dafür. Universum, Gott, Schutzengel - wer/was auch immer dafür gesorgt hat, dass ich grad da war, bzw. angerufen habe! Aber ich bin ja nicht immer da!

 

18.01.2013 14:24:36

Seit gestern nimmt Papa 2 Medikamente (von 16) weniger, weil ich der Ärztin gesagt habe, "meines Erachtens" könne man (mindestens) 2 davon weglassen, da er sowieso a) insgesamt 6 Medikamente hat, die den Blutdruck senken als Nebenwirkung, da braucht er nicht spezifisch eines, das das als Wunschwirkung hat, und b) er einen Blasenkatheter hat, und deshalb kein Medikament braucht, das die Funktion der Blase stärkt. Denn dieses Zeug hat auch saubere Nebenwirkungen. Meine Untersuchungen im Internet ergaben: von seinen Medis bewirken 12 Übelkeit, 8 Verwirrtheit, 7 Müdigkeit und dann eben noch die Blutdrucksenkung. Also hat die Ärztin eingewilligt, das mal wegzulassen. Und vorhin hat er mich, das erste Mal seit Anfang Oktober selber angerufen, seither hatte nur ich ihn 2-3-mal täglich angerufen! Ich sehe das als echten Fortschritt!

 

20.01.2013 23:51:32

Ich sitze mit Papa seit 2 Stunden in der Notaufnahme, nachdem er 6 einhalb Stunden alle 2 Minuten Darmkrämpfe hatte, was die Bereitschaftsärztin ganz normal fand und ihm ein Mittel gegen Erbrechen gab, was er gar nicht hatte.

 

21.1. 13:40

Um 5 Uhr morgens haben sie endlich rausgefunden, was los ist. Der neu gesetzte Blasenkatheder hat nicht funktioniert, seit Tagen hat sich 80% ca. im Bauch meines Papas angesammelt. Sie haben den Katheder gezogen, er war mit einem Blutpfropf verschlossen. Dann haben sie den Bauch gespült, einen neuen Katheder gesetzt, die Krämpfe scheinen nun weg zu sein. Ich war um 7 in der Früh endlich zu Haus bei meiner Ma. Hab bis 11 geschlafen. Jetzt werde ich ins KH fahren, und nach ihm sehen. Oh Gott. Was für eine Nacht für den Armen, 14 Stunden Krämpfe!!!!! Alle 2 oder 3 Minuten, wie ein Baby zu bekommen. Er ist 90. Diese Sch...ärzte!!!!

Ich habe so Angst gehabt heute Nacht, es stand wirklich Spitz auf Knopf.

 

23.1.2013

 

Nur so viel: heute haben sie ihn 2x fahrlässig fast umgebracht, meinen Pa. Ich habe alle Zuständigen informiert und hoffe, dass das was hilft, es gab Mordsärger.

- sie haben ihn ins Bad geschleppt und aufs Klo gesetzt und dort sitzen lassen. Seit September hat er nur im Bett gelegen und darf nicht sitzen, er kann auch nicht aufs Klo. Er darf ohne Metallkorsett das Bett nicht verlassen, und im Rollstuhl nur halb aufgerichtet sitzen, eher liegen. Sie haben keinen Rollstuhl verwendet. Er darf nicht unbeaufsichtigt sein. Sie haben ihn aus dem Bett gezerrt, dort hingesetzt, und erst viel später wieder geholt. Weil sie die Unterlagen scheint’s nicht gelesen haben, und ihnen nicht klar war, dass er querschnittgelähmt ist, sie haben gedacht, er sei bloß faul und missgelaunt!!!

- Durch das Zerren und die anschließende missliche Lage auf/neben der Toilette bei der Geschichte ist möglicherweise seine Wirbelsäule nun noch weiter geschädigt, jedenfalls hat er sich aber schwer den Unterleib verkühlt. Außerdem hat sich der Katheder verschoben, was sie nicht überprüft haben.

- Im Laufe des Nachmittags wurde mir dann klar, dass der Katheder komplett aus der Blase rausgerutscht war und der Ausgang sich durch Blutungen verschlossen hat, und wiederum alles im Bauch sich sammelte, wodurch Papa schwere Bauchschmerzen und Einblutungen bekommen hat. Die Schwester hat gemeint, es sei normal, dass der Beutel vollständig voll Blut war. Sie hat ihm 3 Liter Flüssigkeit zum Spülen durchlaufen lassen, und nicht bemerkt, dass die 3 Liter zwar in ihn rein, aber nicht wieder rausgeflossen sind!!! Ich habe mich bis zum Professor durchgeschlagen und ihn geholt. Es wurde wieder ein Ultraschall gemacht, der bestätigte, was ich ihm gesagt hatte. Der Katheder musste schon wieder gezogen und wieder neu angebracht werden. Es hat wahnsinnig geblutet. Da sie zu wenig Personal haben, musste ich selbstverständlich bei allem assistieren!!!

- Sie haben ihm aus Schlamperei 4 Medikamente wieder gegeben, die bereits abgesetzt sind, weil sie übersehen haben, dass die abgesetzt sind. Vermutlich in der Folge hat er den ganzen Nachmittag an den Händen parkinsonartig gezittert und musste von mir gefüttert werden. Er war heute im Kopf vollkommen verwirrt und kriegte kaum einen vernünftigen Satz raus.

Ist das nicht unglaublich!!!

Leider musste ich unbedingt wieder nach Hause, weil ich den Sohn nicht so lange allein lassen kann. So musste ich meinen Vater mit Fieber und Schüttelfrost aufgrund der vorangegangenen Nachlässigkeiten und falschen Behandlung zurücklassen, in der Hoffnung, dass sie sich jetzt nach dem großen Anschiss anständig um ihn kümmern.

Das ist Deutschland. Das darf doch nicht wahr sein!!!
 

Schrei... Langt es nicht endlich mal mit den Fehldiagnosen und dem Rumgepfusche! Kaum wer in den Krankenhäusern macht mehr irgendwas gut und richtig, man muss schon langsam dankbar auf die Knie fallen, wenn irgendwas mal richtig läuft!


In Ingolstadt ist gerade heute wieder in der Zeitung, wie jedes Jahr an diesem Tag, seit Jahren eine Anzeige mit Foto und Anklagetext bei den Todesanzeigen für eine junge Frau, die sie in eben diesem Klinikum durch Schlamperei haben sterben lassen.

Dieser Tag hat gekostet: nix außer Nerven, Zeit und Benzin und Vertrauen ins Gesundheitssystem.

 

 

23.1. 13:41

Ach, wer dort ins Krankenhaus kommt, ist echt verratzt! Als Angehöriger weiß man nicht, ob man schreien oder heulen soll. Heute geht es Papa einigermaßen stabil, ich habe heute schon 3x die Schwestern genervt, da er es selber nicht tut, und nicht läutet, wenn er Schmerzen kriegt, weil er meint, es sei halt Schicksal... Heute hat er gesagt, wenn meine Mutti nicht mehr am Leben wäre, würde er einfach die Augen zu machen und sterben, er glaubt, das sei nicht weiter schwer. Habe wieder mit Engelszungen auf ihn eingeredet... Wenigstens hat er die Nacht mal geschlafen und es ist nichts passiert. Heute haben sie ihn dann geröntgt. Falls man mir das Ergebnis nicht sagen will, weiß ich, woran ich bin.

 

23.1. 21:29

Papa ist nun endlich wenigstens in die Urologie verlegt, wo man hoffentlich sich mit so was besser auskennt. Dafür hatten sie keine Ahnung, dass man jemandem wie ihm auch die vorbezahlte Telefonkarte ins Telefon stecken muss, damit er telefonieren kann. OK, das haben sie nun endlich nachgeholt.

 

24.1.

Jetzt rufe ich gleich meinen Vater an, danach muss ich dann sicherlich diverse Telefonate mit Ärzten etc. erledigen, um herauszufinden, was diesmal wieder alles gemacht wurde. Aus seinen Angaben kann man meist nicht mehr schlau werden. Die im KH werden mich hassen, ich lasse nicht locker.

 

 

25.1. 14:40

Das ist wieder typisch für die Informationspolitik der Krankenhäuser. Man erfährt ohne Nachhaken gar nichts und wird einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.

Heute früh sagte Papa, er glaubt, es ginge zu Ende, es gehe ihm so schlecht. Ich habe sofort den Arzt angerufen, der sagte mir, ja, Papa habe aufgrund von durch die Kathetergeschichte neu im Blut hinzugekommenen Darmkeimen ja eine starke Entzündung bekommen und das Antibiotikum habe nicht gewirkt. Drum bekäme er seit 2 Tagen ein anderes Antibiotikum, die Entzündungswerte seien nun rückläufig und das Fieber auf 39 Grad gesunken. (!!! Wieviel Fieber hatte er vorher, bitteschön?)

Als ich das letzte Mal bei ihm war, hatte er grade mal 37,8. Von diesen Keimen hatte uns keiner was gesagt. Dass er so hohes Fieber hat, hat uns keiner gesagt. Am Telefon wirkte er komplett verwirrt. Aber wenn man nicht weiß, dass er so Fieber hat, und er es selbst ja nicht weiß, ist es nur erschreckend.

Mann! Muss man denn jeden Tag ununterbrochen dort sein, um irgendwas wissen zu dürfen? Kann man sich sicher sein, dass überhaupt was getan wird?

Gestern konnte er wieder 2x nicht ans Telefon, weil es zu weit weg hing, und er sich ja nicht bewegen kann. Ich musste auf der Station bitten, ihm das Telefon näher zu rücken. Das Telefon und der Fernseher mit Internet und allen Schikanen sind an so einem Teleskop-Schwenkarm. Wenn ihm jemand Essen bringt oder ihn zudeckt oder so, ist der Schwenkarm im Weg, so dass sie ihn wegdrehen. Dann gehen sie halt raus und haben vergessen, dass sie ihn zurücktun.


Heute konnte er nicht an sein Getränk ran aus demselben Grunde, hatte aber so einen trockenen Mund, dass er sich an der Zunge verschluckt hat und das Telefon runterfiel. Ich musste auf der Station anrufen, dass sofort jemand hinrennt.

 

Meine Telefonate mit meinem Pa heute haben mir gar nicht gefallen. Bzw. was und wie er es sagte. Ich hoffe, sie kriegen ihn doch wieder besser hin. Das Wochenende wird auch vom Mond her anstrengend. Und es ist auch noch saukalt. Mir ist es auch innerlich kalt.

 

Habe versucht, ihn wieder aufzubauen, aber es ist nicht einfach, fröhlich zu klingen.

 

26.1. 13:30

 

Papa war heute am Telefon irgendwie komisch euphorisch. Sagte mir, er sei jetzt wieder ganz auf dem Damm. Danach sprach er dann, was ich den Jungs ausrichten soll. Eine Menge Belehrungen, die ich ausgerichtet habe, was aber selbstverständlich unerfreut aufgenommen wurde.

Ich weiß nicht, ob es ihm wirklich besser geht oder nicht. Heute Nacht hatte ich traurige Träume und bin mehrfach heulend aufgewacht. Habe sehr wenig geschlafen. Mein Nachtmahr kommt auch weiterhin, derzeit um 5:55.

 

Papa scheint es besser zu gehen. Morgen überprüfe ich meinen telefonischen Eindruck persönlich.

 

27.1.

 

Bin bei meiner Ma, leider kann ich keinerlei Entwarnung bezüglich meines Vaters geben. Im Gegenteil, wurde uns heute gesagt, wir sollten uns darauf einstellen, dass er schon sehr alt sei und doch sehr schwer krank. Da müsse man evtl. doch, vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht unbedingt in 3 Wochen, vielleicht nicht unbedingt in 6 Monaten, aber naja, in der Zukunft, und zwar in absehbarer Zukunft damit rechnen...

Aktuell hat er schon wieder ganz viel Wasser in der Lunge und eine neue Infektion, er sieht ganz zufrieden aus, aber wenn er spricht, klingt er, als sei er etwa 140 Jahre alt. Morgen erfolgt mal wieder ein Ultraschall am Herzen, weil das nicht richtig funktioniert, und aktuell wird er nebenbei noch künstlich ernährt und hat Sauerstoffzufuhr unter der Nase. Von gutem Zustand ist da echt nicht die Rede. Der behandelnde Arzt hat mir übrigens empfohlen, das was vorgefallen ist, der Klinikleitung zu melden im Interesse der künftigen Patienten. Da sei echt Mist gebaut worden, mehr ginge wohl kaum mehr, meinte er.

Und doch, mehr geht noch. Heute habe ich dann in seinen Schränken geschaut, weil er so ein nettes Flügelhemdchen anhatte, und sonst nix. Hab ihm ja selber für etwa 10 Tage Klamotten mitgebracht. Nur... waren die nicht mehr da.

Nach stundenlangem Hin- und Her konnte ich sie dann endlich holen gehen. Die hatten sie in der Seuchenstation weiterhin im Schrank aufbewahrt, wo er war, aber behauptet, der sei leer.

Naja, wenigstens ist wohl jetzt wieder ungefähr alles da außer einer Flasche Cola light, die ich ihm dort hingestellt hatte, weil er quasi davon lebt, das einzige, was ihm schmeckt (früher bei uns im Zahnarzthaus unerwünscht). Aber sie haben es nicht komisch gefunden, dass sie ihm 2 mitgebrachte leere Koffer ins Zimmer gestellt haben und er aber nix zum Anziehen hatte, überhaupt nix.

 

28.01.2013 12:25:23

Meinem Papa haben sie vorhin den Sauerstoffschlauch wieder abgenommen. Hoffe, das bedeutet, es geht besser. Nachher fahren wir dann hin.

 

29.1. 00:07

 

Papa ging es übel, Unterhaltung war kaum möglich, weshalb wir bedrückt wieder gefahren sind. Letzte Nacht haben sie mit einem Spezialmittel seine Lunge entwässert. 4,5 Liter hat er zwischen Mitternacht und Morgen ausgeschieden, trotzdem hat er immer noch sehr schnell und kurz geatmet. Verrückt, wie viele Liter haben denn in der Lunge Platz? Wenn ich mir 4,5 Milchtüten vorstelle, das kann man doch nicht in der Brust zusätzlich haben? Und selbst wenn davon vielleicht nur die Hälfte direkt aus der Lunge ist, ist es wahnsinnig viel, finde ich! Kein Wunder, dass er fix und fertig war. Heute konnte ich ihn bis abends nicht erreichen. Endlich ist ihnen aufgefallen, dass die Telefonkarte abgelaufen war, nun konnte ich wieder mit ihm sprechen. Er klingt wie ein knorriger Baum, und sehr schwach.

 

Mutti braucht auch Kraft, sie ist eher am Ende der ihren. Durch die viele Lauferei im KH und das Fahren im Auto verschiebt sich immer die sehr labile Hüftkonstruktion, so dass sie dann die ganze Woche Schmerzen hat, und momentan ist sie durch den Stress so mit Tinnitus geschlagen, dass sie fast nix mehr hört, das war jetzt echt schlimm. Sie hat paarmal gedacht, ich veräpple sie, denn sie hat nix gehört, und ich habe zum 3. Mal neben ihr was gefragt, hab geschrien, in 2 m Entfernung, sie hat nur gesehen, dass sich mein Mund bewegt, aber nichts gehört, und war sauer.

Dazu noch der ganze Kummer....

Für mich die einzige positive Sache ist, dass ich eine Menge Dinge lerne, die ich eigentlich gar nicht lernen wollte. Krankenpflege, Kranke hin- und herlagern, Kathederposition prüfen, füttern... Und zu Hause: Behindertenklositz montiert, Fenstergriff, Garagentor und Wasserhähne gerichtet. Seufz. Bald kann ich mich auf MyHammer als Universalgenie anbieten.

 

30.1. 11:12

Ich habe aus dem KH erfahren, dass sie meinen Vater morgen ins Seniorenstift zurückschicken wollen! Freuhüpf! Dann geht es ihm ja wohl jetzt besser! Puh... Er bekäme noch 2 Bluttransfusionen, und wenn er die verträgt, würden sie ihn entlassen. Wenn man meinen Vater am Telefon hört, klingt er aber nicht besonders gesund. Ich freue mich trotzdem, dass er wieder raus kann, vor allem, weil er selber drüber froh ist, er hatte alle Hoffnung aufgegeben, und nun sagen sie, es sei wieder "alles" OK. Hm.

 

31.1. 13:19

Papa war vorhin völlig verwirrt. Eine Horde von Journalisten hätte die ganze Nacht Rabatz gemacht, so dass er gar nicht schlafen konnte. Oh weh. Die Folgen der Erkrankung auf sein Gehirn sind übel. Ob das noch mal irgendwie besser wird...

 

Papa bekommt aktuell zusätzlich Entwässerungstabletten, das ist das einzige, was momentan anders ist als vorher. Aber diese schrecklich lange Zeit mit Koliken im Abstand von 2 Minuten ist meines Erachtens der Verursacher. Der Bauch war ja aufgeblasen wie eine Melone. Und sie meinten, es sei ein Virus, die Deppen. Statt den Stöpsel rauszuziehen!!! Da haben sie 7 Stunden lang überlegt, statt mal einen Ultraschall zu machen. Beim Ultraschall war es sofort ersichtlich, und in ein paar Minuten erledigt! Aber durch die Warterei hat sich eben einiges an Bakterien gesammelt, die dann zu bösen Entzündungen geführt haben. Und durch die grässlichen Schmerzen hat er so viel Kraft verloren. Insgesamt hat er 14 Stunden lang diese Koliken gehabt, davon eben 7 Std. im KH! Ach... Mich macht so was traurig und mürbe, andere würden vielleicht Amok laufen, ich könnte es irgendwie verstehen.

 

31.1. 20:29

Papa ist zurück im Pflegeheim, klagt schon wieder über das Essen. Dann geht‘s wohl doch aufwärts...

 

Und irgendwie ist er heute auch komplett durchgedreht. Rief an, er brauche für einen Bekannten Geld, weil der seinen Pflegeheimplatz nicht bezahlen könne. Auf die Frage, was denn für ein Bekannter, meinte er, keine Ahnung, er glaube, er habe ihn schon mal gesehen. Auf die Frage, wo denn, meinte er, vielleicht mal irgendwo in einer Praxis. Aha. Und wieso soll man dem dann den Pflegeheimplatz bezahlen? Darauf hat er einfach aufgelegt. Ich glaube, er hat das alles nur geträumt. Das ist ja langsam unheimlich, diese Verwirrung.

 

01.02.2013 18:36:26

 

Ich gehe davon aus, dass es einfach so ist, dass man etwas Ideelles gibt - die eigene Zeit, dafür, dass Papa in dieser geschenkten Zeit, die Freude daran hat, einen zu sehen und mit jemandem zu sprechen, auch wenn er 2 Minuten danach vergessen hat, dass man überhaupt da war oder angerufen hat.

 

1.2.

Ich muss doch an den Klinikleiter schreiben. Ich hoffe, ich habe irgendwann einen inspirierten Tag...

 

3.2. 10:20

Fahre wieder zu Pa, grade wurde er wieder in die Notaufnahme des KH gebracht, selbe Symptome wie zuvor, geht ihm echt schlecht. Muss jetzt los.

 

4.2.

Papa geht es weiterhin nicht gut, sogar absolut elend. Bin noch bei Muttern. Nachher fahre ich zu ihm. Er ist wieder raus aus dem KH, sie konnten nichts für ihn tun.
:-((((

 

Als Nervennahrung eine Schachtel Pralinen. Der Nachmittag war heute schrecklich, und ich bin immer noch hier, weil ich mich nicht getraut habe, heimzufahren, da ich Angst habe, dass ich dann wieder umkehren müsste.

Nicht mal Ablenkung am Laptop tut gut, ich leide unter selektiver Wahrnehmung und lese nur Sachen wie "im Namen Gottes" und "With each passing moment, a soul sets off to find itself."

 

So, ich habe jetzt nochmal dort angerufen, momentan schläft er, und sie rufen mich sofort an, wenn sich die Situation ändert. Ich versuch jetzt auch, ein bisschen zu schlafen. Gute Nacht, hoffentlich für uns/Euch alle.

 

5.2.11:15

Papa hat die Nacht überstanden. Grade ist endlich die Ärztin bei ihm.

Mutti ist heute ganz schwindlig, die viele Aufregung. Ich habe wieder Magenschmerzen. Die Aufregung. Mein Sohn hat dann gestern später angerufen und sich erkundigt, wie er Käsespätzle machen soll, 11 Minuten am Telefon, er hat es geschafft. Geht doch. Immer diese Dramen. Als hätte man sonst keine.

 

So schlimm, wenn man zuschauen muss, wie der Nächste verfällt, und keiner was tut. Man würde so gern eingreifen, alles in Ordnung bringen, und kann nicht. Es macht mich rasend und gleichzeitig wie betäubt, dieses Hin- und Hergerissensein zwischen Wollen und nicht Können. Als Übersprungaktion kann man zu Hause einen Putzfimmel entwickeln oder so. Ich bin aber nicht zu Hause, weiß gar nicht, was ich tun kann. Nachher geh ich wieder ins Heim, aber Mutti kann jetzt noch nicht, ihr geht‘s nicht gut. Die Sonne strahlt, der Himmel ist knallblau hier, gestern lag ganz tief Schnee. Es ist nichts mehr davon da, nicht mal eine Handvoll. Verrückt. Alles voll Blumen im Garten, Winterlinge.

 

5.2. 12:26

Papa ging es heute etwas besser. Die Ärztin war auch endlich bei ihm im Pflegeheim und rief mich an. Ihre Einschätzung: heute ist der Zustand nicht lebensbedrohlich. Wenn allerdings das Herzflimmern wieder auftritt, ab ins KH. 20 Minuten Telefonat, alles noch mal ausführlich erklärt, was alles war und wie im KH (fehl)behandelt wurde usw. Hab ihr gesagt, wenn sie das nächste Mal außer der Reihe gerufen wird, soll sie halt privat abrechnen. Vielleicht hilft das ja.

Morgen hat sie das Ergebnis der Blutwerte, dann sehen wir, ob die Entzündung immer noch da ist.

 

Wir waren nachmittags bei ihm, er war sehr müde, aber besser dran als gestern, hatte wieder etwas Farbe im Gesicht, und kein Herzkammerflimmern. Dafür war er so durcheinander, dass er die ganze Zeit im Schlaf redete oder im Wachsein träumte und redete, Wirklichkeit und Traum waren ganz verquickt. Mann, ich bin so fertig, ich muss glaub ich eine Menge nachschlafen. Mir tun irgendwie sogar alle Muskeln weh.

 

06.02.2013 10:05:09

Story bei uns geht weiter, Papa ist wieder unterwegs ins KH... weil sich die Entzündungswerte verdoppelt haben. Diesmal wohl ins KH Kösching, noch weiter weg.

 

17:42

Papa ist noch in der Notaufnahme. Jetzt doch in Ingolstadt und nicht Kösching.

 

19:15

Papa ist vor 1/2 Stunde endlich in der Station im Krankenhaus angekommen - man erinnere sich, kurz vor 9 Uhr morgens wurde ich informiert, dass er mit dem Notarzt abgeholt wird. Der Arme, was er wohl wieder durchmachen musste... Nun ist er also dort mit Verdacht auf Pneumonie und Exsikkose. Ich sage ja schon seit Tagen, er muss an den Tropf, und meines Erachtens ist seine Lunge nicht in Ordnung, er atmet ja nicht normal, sondern hechelt. Aber nein, das hielt man ja für nicht so ungewöhnlich. Und diese Fieberfantasien, dabei ohne Fieber. Nun haben sie diesmal vom Pflegeheim aus vergessen, ihm das Stahlkorsett anzuziehen, und außerdem mitzugeben. Nun kann ich schauen, wie ich das von dort ins KH bringe. Habe nun bereits bei 4 verschiedenen Anrufen mit den Personen am jeweiligen Aufenthaltsort geklärt, dass sie wahnsinnig aufpassen müssen, da er ohne Korsett nicht mobilisiert werden darf... Seufz. Pflegeheimleute uneinsichtig, er brauche es ja nicht, solange er liegt. Tja. Ob er im KH aber ausschließlich liegt... Wir haben ja schon anderes erlebt. Letztes Mal. Ach Mensch. Immer muss was schiefgehen!

 

Ich hoffe, dass er jetzt gut aufgehoben ist. Dass er Infusionen kriegt, und die auf ihn aufpassen.

 

7.2. 11:50

 

Papa hat also Lungenentzündung, kriegt wieder Antibiotikumhammer und dazu jede Menge Nährlösungsinfusionen, da er völlig dehydriert war. Wenigstens hat er kein Fieber. Habe 4 Minuten am Schwesternhandy mit ihm gesprochen, er war ganz erschöpft und sprach immer noch ganz japsend, da er keine Luft kriegt.

 

Für ihn heute geschrieben:

 

Eigentlich fehlen die Worte
Was dir geschieht ist unsäglich
Krankheit kann eine tragbare Bürde sein
Oder entwürdigendes Elend
Unmenschliche Qual
Vernichtend
So wie diese
Was dir nur bleibt sind diejenigen Menschen
Die sich die Zeit nehmen, bei dir zu sein
Deine Hand zu halten
Deine Stirn zu streicheln
Dir Mut zuzusprechen
Dir eine kleine Insel der Freude zu schenken
In deinem rabenschwarzen Schicksalsmeer
Wir geben dir diese Stunden gern
Wir wissen dass du in dieser Zeit ein bisschen glücklich bist
Dass es deinen Geist aufrichtet
Auch wenn dein Körper gebrochen ist
All unsere Liebe ein Elixier
Tropfen für Tropfen verabreicht
Die beste Medizin
Unsere Zeit für dich
Deine Zeit der Freude
In diesen Momenten bist du wieder ganz

 

8.2.

Das mit dem Telefon ist bei Pa immer das Problem, es steht grundsätzlich so, dass er schlecht hinkann. Wenn man den Oberkörper nicht im Bett bewegen kann, kann man nur dahin greifen, was innerhalb der Armlänge steht. Das kapiert irgendwie die Pflege nicht.

 

20:15:49

 

Papa wurde auf eine andere Station verlegt, wo mehr Personal ist. Es ist furchtbar schwach. Wir sollen ihn nicht anrufen, das strengt ihn zu sehr an, sagen die Schwestern. :-(

Mein Arbeitgeber B. (monatliches Übersetzungskontingent) hat gekündigt. Tja. Vielleicht ist es aktuell grade besser, wenn ich nicht irgendwo angebunden bin und zu bestimmten Terminen liefern muss.

9.2. 14:59

Papa geht es heute verheerend. Telefonieren ging nicht, er schrie am Telefon, keuchte, lallte, es war nichts zu verstehen, nur Angst habe ich bekommen. Ich habe Mutti empfohlen, sich ein Taxi kommen zu lassen und hinzufahren. Ich muss L. nachher vom Zug abholen, kann jetzt nicht weg. Ich bin so erschöpft, vor Angst. Am liebsten schlafen. Bis alles wieder gut ist. 3 Jahre oder so.

21:13:59

Mutti war tatsächlich im KH, 1. Mal allein das Haus verlassen. Papa ist nicht ansprechbar, sie konnte ihn in 3 Std. nicht wecken.

 

Wir befinden uns unter einer Glasglocke.

Ob Aufwachen oder nicht die bessere Variante ist, kann der Mensch nicht mehr beurteilen und hat keiner von uns in der Hand.

 

10.2. 15:32

 

Warten auf Godot.

Ich bin froh über mein Johanniskraut, das mich davon abhält, in Tränen auszubrechen.

Mutti ist wieder bei Papa. Die Schwester sagt, Zustand ist unverändert. Ernährung über den Tropf, Sauerstoff. Er habe aber mittags was gegessen, ein paar Bissen. Und schläft nur. Sonne scheint, ich weiß nichts damit anzufangen.

 

20:58

Mutti war bei meinem Papa und hat dafür gesorgt, dass er was isst, das hat sogar funktioniert. Ich konnte auch ca. 1 Minute mit ihm telefonieren, aber er kann kaum sprechen.
 

12.02.2013 01:17:46

So. Mutti kann nicht mehr ohne mich. Ich muss kommen. Und sowieso bin ich auch die ganze Zeit unruhig, hab das Gefühl, es ist verkehrt hier zu sein. Heute haben wir Monopoly gespielt, die Kinder haben gekreischt und Blödsinn gemacht, ich fand es gar nicht lustig, konnte nicht lachen, danach ist mir nicht zumute. War froh, als ich auf der Schlossallee mit 1 Hotel gelandet bin und pleite war.
 

11:59

Werde jetzt zu Papa fahren. Mir ist das Herz schwer, ich weiß nicht, was ich ausrichten kann außer warten und hoffen. Ich mag gar nicht los, bin so erschöpft, dabei habe ich heute noch gar nichts getan. Und es schneit in einer Tour. Das auch noch. Wird eine tolle Fahrt.
 

21:48:05

Hab hier Muttis Gefrierschrank abgetaut, sie hatte sowas noch nie gemacht (war Papas Job). Nun ist sie ganz erleichtert.

Papa geht es leider weiterhin gar nicht gut.

 

13.2.

Bin noch immer bei Muttern, da es meinem Papa wirklich nicht gut geht.

 

22:33

Verfügung: bin froh, dass ich eine habe. Momentan brauche ich sie.

Ärztin sagte uns: er wolle nicht auf die Intensivstation, er habe explizit lebensverlängernden Maßnahmen widersprochen, das sei zu respektieren. Trotzdem finde ich es nicht schön, dass sie ihn nicht füttern und ihm sein Getränk nicht geben, sondern nur hinstellen. Ich habe das heute gemacht und gestern auch.

 

14.02.2013 11:30:03

 

Papa geht es heute laut Station unverändert. Er hat 3 oder 4 Löffelchen Brei gegessen und einen Kaffee getrunken. Ist aber so schwach, dass er die Augen nicht öffnen kann.

 

13:18

Nun fahren wir gleich wieder zum Papa. Auch wenn er eigentlich nichts davon hat, er schläft ja nur.

 

22:05

Papa soll jetzt wieder Astronautenkost kriegen und jemanden, der ihm die eintrichtert. Heute war ein Logopäde da und hat das angeordnet. Mit der Ärztin haben wir auch gesprochen, sie hat eine Schachtel Pralinen gekriegt. Valentinstag. In 3 Tagen kein einziges Mal dieselbe Schwester gesehen, lauter verschiedene, die alle sagten, sie seien grade zum 1. Mal da und wüssten nicht, was vorher war.

 

Nach 3 schweren Tagen wieder zurück in München. Leider weiß man bei Papa nicht, wie es weitergeht. Eigentlich gab es keinen Grund, heute zurückzufahren, denn besser geht es ihm echt nicht, die Ärztin hat uns keine Hoffnung machen können, steht in den Sternen. Aber die Kinder waren ja 3 Tage allein.

 

15.2.

Heute war Mutti per Taxi bei Papa und hat ihn mit der Astronautennahrung gefüttert, die sie ihm auf den Nachtisch gestellt haben, ohne ihn damit zu füttern. Ohne Glas, ohne Löffel, nur mit einem Strohhalm dort abgestellt. Er hat aber keine Kraft a) die Augen aufzumachen b) die Hand zu heben c) etwas in der Hand zu halten d) aus einem Strohhalm zu saugen.

 

Die können ihn doch nicht einfach verhungern lassen, bloß, weil sie keine Zeit haben!

 

Reden kann er nun fast gar nicht mehr, er versucht es manchmal, aber es ist nichts zu verstehen. Wenn man ihn bittet, das nochmal zu sagen, hat er keine Kraft dazu.

 

Wir sind sehr traurig, Mutti und ich. Meine Kinder sind resistent, machen die ganze Zeit bloß nervigen Lärm, schießen mit der Softair den ganzen Tag, auch wenn ich schon 5 oder 6x aus der Haut gefahren bin, kreischen, lachen und toben. Früher hat M. zu mir immer gesagt: lach nicht so laut, im Iran sterben die Leut! Das fand ich damals immer total dämlich. Momentan fühle ich mich aber so, dass ich nicht ertragen kann, wenn jemand so laut und überflüssig lacht.

 

16.02.2013 12:26:08

 

Es ist vollbracht. Ich fahre jetzt ins KH. 12 Uhr mittags hat er es geschafft.

 

Der Ratschlag mit dem Erlaubnis geben zum Gehen war übrigens das, was bewirkt hat, dass er binnen Sekunden einschlief. Meine Mutti hat ihm auf meine Bitte hin gesagt, er darf fliegen, sagen wir ihm beide, er darf jetzt. Dann ist er geflogen.
 

17.2. 0:19

 

Wir sind so froh für meinen Vater, dass seine Seele nun Flügel hat und diesen geschundenen, zerstörten Körper zurücklassen darf. Wenn es auch für uns so traurig ist, auf ihn und seinen genialen Kopf verzichten zu müssen, der für alles einen Rat wusste, über alles Bescheid wusste, und der alles richten konnte, so wissen wir doch, dass es eine Erlösung, und das sogar für uns alle ist. Die Nachfolge in angemessener Weise anzutreten werde ich wohl in meinem Leben nicht schaffen, aber wer mich kennt, weiß, dass ich trotzdem irgendwie nach ihm geraten bin und wenigstens im Kleinen seine Ideale nicht völlig erfolglos anstrebe. Letztendlich konnte er doch in mancher Weise ganz zufrieden mit mir sein, und somit haben wir unsere Fehden und Zeiten der ablehnenden Verschlossenheit der Vergangenheit in den letzten Monaten begraben und haben uns gegenseitig nichts mehr vorzuwerfen. Wir konnten uns in Frieden voneinander verabschieden und darüber bin ich sehr glücklich.

Ich bin mit großem Koffer bei Muttern. Meine Söhne haben heute gemeinsam (ohne Vater) anständige Sachen für die Abschiedsfeier gekauft (L. seinen lange ersehnten Anzug) und G. hat Mutti angerufen und das erste Mal seit 7 Jahren mit ihr gesprochen.

Morgen werden wir wohl dann das Pflegezimmer leeren. Oh je, wohin mit all den Sachen... Es sind mehr als beim Weggang hier. Den Fernseher nimmt vermutlich liebend gern der Sohn. Wer hätte gedacht, dass er so schnell einen bekommt. Für die Gemälde habe ich zu Hause keinen Platz mehr. Sie sind längst ersetzt.

 

18.02.2013 20:25:18

 

War einkaufen, Trauerkleidung für die Abschiedsfeier. Dass das sooo schwierig ist, hätte ich nicht gedacht. Es gibt hier ein Einkaufszentrum mit etwa 30 Kleidungsgeschäften. Das Oberteil und eine Jacke habe ich im ersten Drittel der Läden gefunden, aber an Hosen habe ich irgendwas zwischen 40 und 50 anprobiert, ich war völlig fertig. Wirklich im allerletzten Geschäft habe ich dann was gefunden. Witzigerweise war der Laden, aus dem die Oberteile waren Gerry Weber, und die Hose ist nun zufällig auch Gerry Weber. Die hatten sie aber in dem Oberteilgeschäft nicht. Naja, viel Geld ausgegeben, obwohl alle Teile sogar reduziert sind (Hose 109 auf 49 Euro, wir haben sie, nachdem ich sämtlich 99-109 Eurohosen durchprobiert hatte, falsch aufgehängt ganz wo anders gefunden). Also: eine Menge Energie gebraucht. Meine Beine sind ganz geschwollen und ich kann gar nicht mehr hatschen, mir tun die Füße so weh. Das neue Oberteil habe ich angezogen, damit ich eine passende Hose finde. Ich musste es direkt waschen, weil ich es total durchgeschwitzt habe durch die ewige Probiererei und Mantel an und aus...

Mutti entrümpelt Illusionen. Heute ist die Todesanzeige in der Zeitung (660 Euro), aber es hat kein Mensch angerufen außer 2 Freundinnen von mir, denen ich eine Mail geschickt hatte. Hoffentlich ist dann wenigstens am Mittwoch irgendjemand da außer uns. Onkel J., den einzigen Verwandten, den Papa noch hat, können wir einfach nicht erreichen, vielleicht in Urlaub.

Gestern habe ich ja im Wohnheim alles ausgeräumt, und nun liegen hier Berge an Zeug, ein Teil ist auch in meinen Koffer gewandert, weil ich vielleicht die vielen neuen Jogginghosen doch anziehen kann oder vertauschen oder so. Doof nur, dass ich mir zuletzt 2 Jogginghosen ertauscht hatte.

Seine Kämme wollte ich wegwerfen (4 Stück), aber Mutti meinte, nein, die kann man doch auswaschen und wieder benützen. Nun benütze aber weder ich noch Mutti solche feinzinkigen Kämme. Nun, dann kommen sie halt in die Schublade. Es wird bestimmt hart. Heute haben wir heftigen Streit gehabt, als der Bestatter da war wegen der Grabrede. Mutti hat mich angeherrscht, ich solle still sein, ich habe überhaupt nichts beizutragen, er solle nicht aufschreiben, was ich sage (weil ich sagte, Papa sei sehr ernst, kritisch, ehrgeizig und pragmatisch und durchaus auch schwierig gewesen, und das habe auch mich geprägt). Ich bin aufgestanden und habe das Zimmer verlassen, dann habe ich mir gedacht, Wahnsinn, wie ein kleines Kind behandelt worden und verhalten. Ich bin doch längst erwachsen. Bin also wieder zurück und habe einfach weitergeredet. Wieso sollte ich denn nichts über meinen Vater zu sagen zu haben? Ich kenne ihn fast so lange wie Mutti ihn kennt. Sie kennt ihn 2 Jahr länger oder so. Oder 3. Vergleichsweise eigentlich gar nicht mehr der Rede wert.

Naja, die Nerven gehen wohl durch.

Einige meiner schwarzen Pullis habe ich Mutti gegeben, ich hatte damals Gr. 38 (vor 6 Jahren), aber jetzt kann ich mich da nicht mehr reinquetschen, sieht einfach blöd aus. Ich werde jetzt auch nicht ein Jahr lang schwarz tragen.

19.2.

Je länger die Sache dauert, desto dünner werden die Nerven. Es ist schon traurig, dass bei Mutti selber noch niemand sich gemeldet hat. Die Anzeige ist ja erschienen. Ich hoffe, dass dann wenigstens wer auf der Beerdigung auftaucht. Mutti wollte keinerlei Karten verschicken. Bei uns schneit es nun hier, hoffentlich ist es bis morgen dann nicht zu viel Schnee, das wäre unpraktisch.

 

16:32:35

 

So, ich bin im Auftrag von Muttern zu den Nachbarn marschiert und habe geläutet und mit 3 Parteien gesprochen. Alle wussten Bescheid und kommen morgen. 2 waren sehr sehr herzlich, 1 eher auf Abstand und etwas befremdet. Dabei habe ich früher immer mit den Jungs gespielt. Naja, ist halt lange her. 2 Nachbarn waren nicht daheim. Nun ist Mutti wenigstens etwas beruhigt, dass sie nicht ganz allein nur mit mir und den Rangen am Friedhof rumstehen wird. Das ist gut so. Außerdem habe ich den Nachbarn gleich eingeschärft, dass sie schon mal gelegentlich nach meiner Mutti schauen könnten (5 Monate hat NIEMAND jemals nachgefragt, wo denn Papa steckt, der doch sonst jeden Tag mit Gartenarbeit beschäftigt war und ständig auf der Straße Hecken geschnitten hat usw.)

 

19.2.

Auf der Todesanzeige ist nun auch ein Kreuz, und zwar mit 3 Ähren, davon eine gebrochen. Auf das Kreuz hätte ich sehr gerne verzichtet. Mutti wollte aber unbedingt eins (obwohl wir alle nicht in der Kirche sind), ich habe dann ein Kreuz mit Äskulapschlange entworfen, das auch sehr schön geworden ist, aber die Zeitung verlangt für Aufnahme eigener Entwürfe so viel Geld, dass wir es gelassen haben und nach Vorlage wählen mussten. Da gab es auch ein wunderschönes Gartentor, das sich auf einen Garten öffnet. Das kam für Mutti nicht in Frage, denn Papa war ja kein Architekt. Wieso sollen nur Architekten einen Garten haben? Naja.

 

So, zum Glück habe ich Mutti noch mal gesagt, ob sie nicht die beiden fehlenden Nachbarinnen noch anrufen will. Sie hat dann beide erreicht, und die eine war so erleichtert, dass sie fast geweint hätte. Und zwar, weil sie gedacht hatte, wir wollten sie übergehen. Sie hatte von einer anderen Nachbarin gehört, dass ich da gewesen sei. Bei ihr war ich ja auch, aber sie war halt nicht da, hab 2x geläutet.

 

20.2.

Ach, heute ist der Tag. Ich habe die ganze Zeit Bauchweh, das schlägt bei mir auf die Verdauung. Hab auch sehr seltsamen Kram geträumt. Gut, dass mein Knabe schon um 1/2 8 angerufen hat und mich geweckt hat. Ich möchte nicht einen Part im Wanderzirkus haben, in dem ständig Tontauben direkt neben meinem Kopf abgeknallt werden.

 

Hier lacht die Sonne und die Bäume sind weiß überzuckert, es sieht grad alles so wunderschön aus. Hoffentlich bleibt das heute so, dann ist es vielleicht leichter. Ich habe mich auch inzwischen mit der Situation versöhnt. Aber es wird trotzdem schrecklich sein.
 

So, ich hole nun meinen Knaben vom Zug ab, dann ist es hier aus mit der Besinnlichkeit. Tut uns vermutlich in Teilen auch gut. Ablenkung. Gestern Abend hat meine Mutti mir dann so viel aus ihrem Leben erzählt, dass sie einen ganz trockenen Hals gekriegt hat, und die ganze Nacht hörte ich sie husten. Hoffentlich schafft sie es, gesund zu bleiben. Dann noch die anderen Leute heute, zwei sagten schon, sie haben eigentlich Grippe, kämen aber trotzdem.

 

Ich halte mich mal mit Argentum nitricum aufrecht. Hoffe mal, wir bekommen heute nur gute Erinnerungen zu hören. Muss mich wo anders hinsetzen als neben G.

 

21.2. 00:15

 

Ich habe keine große Familie, aber heute war es schön, nach der Rede und der Verabschiedung am Friedhof. Es war eiseskalt dort, aber die Rede war gut, und alles lief so ab, wie man sich das "erhofft". Anständig und stimmig. Es waren 33 Leute, und anschließend waren wir 18 im Café. Die Nachbarn hatten vielleicht zuletzt vor ca. 40 Jahren zusammengesessen, als ich damals mit deren Kindern spielte... Und das war schön, dass alle mal zusammenkamen, durch diese Situation und unsere Initiative. Und ich habe sie ermutigt, Mutti auch zu besuchen, sie sagten einzeln alle, sie trauten sich nicht, denn sie hätten Angst, das sei vielleicht nicht erwünscht, seien aber so einsam. Und meiner Mutti geht es auch so. Nun hoffe ich, dass die Witwen und einsamen Herzen sich irgendwie auch in der Zukunft dann wieder treffen, denn sie sind doch in ähnlicher Situation! Frau Sch. sagte, so eine Tochter wie mich hätten sie sich immer gewünscht, aber nie gehabt... Sie sagte mir alle Viertelstunde, wie wunderschön sie mich fände (!). Gut, sie ist so um die 80, da sehe ich natürlich frischer aus als sie, aber nicht gerade so herausragend. Aber es hat mir doch gutgetan, irgendwie. Nicht gerade, was ich jetzt erwartet hatte, als Gesprächsthema auf der Beerdigung zu haben. Ich habe mit allen einzeln gesprochen, und da die Leute echt lang geblieben sind, denke ich, dass es allen auch irgendwie gutgetan hat, da zu sein. Kann ja schlecht sagen, es hätte ihnen gefallen, das war nicht der Anlass dafür. Aber sie schienen sich wohl gefühlt zu haben und ich habe viel Schönes gehört. Mein Junior sah grandios aus im schwarzen Anzug mit schwarzer Krawatte und Rafi machte sich auch gut, Frau M. hat ihn im Geiste mit ihrer Enkelin verkuppelt und ihm auch ständig gesagt, wie gut das passen würde, er hat langsam ziemlich gequält gegrinst... Und G. hat sich anständig benommen und in der Garage bei Mutti sogar die 4 Monsterspinnen entfernt, die mir dort das Leben schwermachten.

Nun, es lief also alles heute soweit gut, in Bayern sagt man, es war a schöne Leich. Heißt also, ein gut gelungener Abschied.

Mutti hat es auch ganz gut überstanden, sogar, im Gegensatz zu mir, ohne zu weinen, da war ich überrascht, wie gut sie sich gehalten hat. Echt tapfer.

Einige wenige Kleidungsstücke und das Bild mit den Jungs hat G. mitgenommen, mein Großer ein Paar nagelneue Hausschuhe, dem Kleinen passte noch nix. Den Rest muss ich dann irgendwie anderweitig versorgen. Naja, mit der Zeit.

So, und nun gute Nacht, jetzt brauche ich Ruhe.

 

21.2. 10:26

 

Es entrümpelt sich von selbst: meine Chanel Handtasche, die ich gestern verwendet habe. Das Äußere bröselt komplett ab, wie blöd. Gestern habe ich mich die ganze Zeit geschämt, denn ich hatte aus irgendeinem Grund schwarze Fingernägel, ausgerechnet, hatte ich ja seit Kindertagen nicht mehr. Der Grund, wie ich nun ganz klar sehe, ist die Handtasche. Kann ich gleich im Müll versenken, denn sie bröselt wasserfallartig. Hat so eine samtartige Oberfläche. Besser gesagt: hatte. Naja. Chanel aus dem Iran. Hüstel.

Nachher kommt Herr B. zum Kondolieren oder so. Sind also wieder im kompletten Traueroutfit, um ihm würdig zu begegnen.

Mutti hat sich erkältet. Ich war schon einkaufen und auf dem Herd köchelt auf kleiner Flamme eine schöne Hühnersuppe. Die wird uns beiden guttun. Und Mutti hat keine Arbeit. Sie hat die ganze Nacht nicht schlafen können, ich schon, war völlig erschöpft. Bei ihr wahrscheinlich zu viel Adrenalin, konnte ihre Gedanken nicht abstellen.

 

21.2.

 

Bin wieder zu Hause. Empfang außerordentlich frostig.
Mein Hals kratzt jetzt auch. Meine Mutti hat es sauber erwischt, es war gestern in dem Friedhofsgebäude ja auch kalt wie in der Kühltruhe.

 

22.2.

Ich wasche und wasche, damit ich die Sachen in ordentlichem Zustand ins Sozialbürgerhaus bringen kann. Hatte heute Nacht Fieber und heute starke Halsschmerzen. Es wundert mich nicht. Wird schon wieder werden. Gönne mir etwas Schonung.

 

Die letzten Monate waren wir alle extrem liebevoll zueinander, Papa hat es nie vergessen, mir zu danken und hat mir auch oft gesagt, wie leid es ihm tue, dass er mich nicht immer so liebevoll behandelt hat und mir absichtlich oder unabsichtlich Kummer bereitet hat. Auch meine Mutti hat mir an Weihnachten auf der Weihnachtskarte ganz rührend gedankt, ich habe mir das in der Küche aufgehängt, und wenn mein Sohn sich aufführt, gehe ich da hin und lese es.

 

24.02.2013 11:21:09


Ich bin noch im Bett, fühle mich heute schlecht.

 

25.02.2013 23:47:27

 

Trauerjahr: nein, mache ich nicht. Aber aktuell ist meine Stimmung so, und ich erlaube nur, das zu zeigen. Wenn es sich ändert, ändere ich die Farbe. Papa hätte sicher nicht drauf bestanden. Ich habe letzthin extra für ihn stets knallige Farben getragen, grün oder lila, damit er nicht meint, sein Zustand sei zu ernst, und um ihn aufzuheitern!

 

1.3.

Ich habe heute wieder in meinen Schränken gewühlt, bzw. sortiert, jetzt habe ich einen Schrank mit schwarzen Klamotten. Die farbigen habe ich nach Farben sortiert. Ein paar Sachen habe ich in den Sack fürs Sozialbürgerhaus gesteckt. Irgendwie kann ich mich aber grad gar nicht entschließen, die Sachen rechts vom Markerbügel wegzutun. Z.B. hingen da fast alle schwarzen Sachen, und die ziehe ich ja jetzt an. Dafür werde ich danach froh sein, wieder bunt daherzukommen und die anderen anziehen, die ich mir jetzt verbiete.

 

2.3.

Erinnerungen an Papas Stelle: Kriegsgefangenschaft, ich habe gerade ein Video über eines dieser Lager in Sibirien angeschaut und bin jetzt ganz aufgewühlt.

 

3.3.

Eingerümpelt: einen silbernen Bilderrahmen mit einem Foto, das ausschaut wie mein Papa, als er jung war. War so fasziniert von dem Bild, dass ich nicht mal bemerkt habe, dass das Glas kaputt ist. Ansonsten noch ein schwarzes Halstuch und eine schwarze Jeans gekauft. Hier ist heute Flohmarkt. Da die Sonne so schön scheint, habe ich einen kleinen Spaziergang machen wollen.

 

8.3.

Ein paar schwarze Hausschlappen für 9,90 gekauft, sieht nicht so blöd aus wie wenn man im schwarzen Rock und schwarzen Strümpfen in roten Birkenstocks rumstapft.

Draußen ist es so schön, die Blumen blühen, grade habe ich für die Gerbils die erste Vogelmiere im Garten gefunden, sie verdrehen vor Genuss die Augen gen Himmel und schwelgen "göttlich" denkend... stelle ich mir so vor. Nach dem tristen Körnerfraß den ganzen Winter lang.

 

9.3.

Ich halte das für eine natürliche Reaktion, mir ging es jetzt 5 Monate lang so: ich wurde von Tag zu Tag "gelähmter". Aktuell habe ich festgestellt, dass sich das jetzt stark gebessert hat. Traurig, aber wahr.

 

12.3.

Wir haben kein Hospiz gewählt, weil wir nicht wussten, wie es steht und ob es womöglich noch Jahre so bleibt. Die Ärzte haben ja auch nichts dazu gesagt. Erst in den letzten beiden Wochen hat man uns gesagt: Sie wissen ja schon, dass er eigentlich schon ein schönes Alter erreicht hat, das sollte man sich immer vor Augen halten.

 

Wenn man nur so einfach über zusätzliche Jahre entscheiden könnte. Man wäre ja schon mit 1 gutem Jahr zufrieden. Aber wir können am Ablauf eigentlich nicht viel ändern. Ich glaube, das Beste ist, die Hoffnung als Patient nie aufzugeben. Und als Tochter nicht daneben zu sitzen und zu heulen, weil man weiß, wie es weitergeht, sondern versuchen, unbekümmert zu wirken. Das ist nicht einfach, aber der andere fühlt sich besser, solange er den Verlauf seiner Erkrankung noch irgendwie beeinflussen kann.

 

13.3.

Jetzt fahre ich zu Muttern, morgen ist der schlimme Tag Nummer 3.

Noch liegt hier kein Schnee. Ich hoffe, es kommt keiner. Brauch ich nicht für die Fahrerei. Allerdings bitte ich um Sonnenschein für morgen Mittag. Strömender Regen, so wie gestern, wäre schlimm. Es ist ein sehr weiter Weg. Und Mutti braucht sehr lang.

 

Leider sieht das mit dem Wetter nicht gut aus, hier bei Muttern schneit es ordentlich.

 

14.3.

So, haben den heutigen Tag gut überstanden. Das Grab war wirklich wunderschön vorbereitet mit pfundweise bunten Blütenblättern in einem Gefäß zum Drüberstreuen, das Grab mit einem blauen Satintuch umlegt mit Blüten bereits drauf, und mein Gesteck war wunderschön. Ich hatte gebeten, fröhliche Blumenfarben zu wählen, blau, gelb, orange, das war so schön...

Es lief alles gut, der Himmel war blau. Als wir fertig waren, fing es an zu schneien, aber in "trockenen" Flocken. Allerdings huste ich bissel rum, denn es war schon zugig, und der Weg zum Grab furchtbar furchtbar weit, Mutti hat es aber geschafft, wir waren so ca. 1/2 Std. unterwegs, bis wir dort ankamen.

Danach in einem netten Lokal nahe bei der Schule, dort haben wir direkt mehrere Lehrer getroffen. Naja, mein Sohn war ja entschuldigt. Wenn einer sich erkundigen möchte, wird er schon die passende Nachricht kriegen.

Mutti hat 3 Uhren von Papa für meine 3 Männer ausgesucht. Die haben sich sehr gefreut, besonders der Junior zur goldenen Taschenuhr zu seinem Anzug.

Meine Freundin H. war auch dabei, das hat Mutti gefreut, die sie gernhat.

Ansonsten nix entrümpelt außer Benzin hin und zurück. Macht nix. Nun ist jedenfalls für uns der schlimmste Teil vorbei und ich hoffe, es kehrt wieder ein bissel Normalität ein in unserem Leben.

 

15.3.

Immerhin hat das Halstuch gestern Nacht wohl geholfen, fühle mich wieder besser. Hätte jetzt keinen 2. grippalen Infekt gebraucht. Mutti ist restlos erschöpft von der Tour gestern. Wie gesagt, 1/2 Std. hinter dem Friedhofstor. Einmal ganz durch. Der Urnenträger meinte, der Westfriedhof sei noch doppelt so lang. Und Mutti mit Ihrem Hinkebein und Stock, am anderen Arm ich als Stütze. Kein Wunder, dass sie heute so fertig ist! Und außerdem ist es ja auch emotional ein wahnsinniger Einschnitt.

 

23:00

War nach meiner Rückkehr heute gleich noch mal am Grab und hab geschaut, was aus dem schönen Dekor geworden ist. Naja. Die Blütenblätter sind hinüber, die wunderschöne Calla meiner Freundin ist hinüber, unsere Blumen sind auch fast alle bereits erfroren. Das Grab ist zu, aber die Bepflanzung über dem Loch ist zurückgeklappt und entwurzelt und geht nicht mehr zurück, da angefroren. Hab geweint. Ging besser, weil niemand da war. Gefühlsmäßig war auch mein Papa nicht da. Da war nur Leere.

 

25.3.


Wieder 3 Kleidungsstücke für meine Mutti aussortiert. Wie kann man nur so viele schwarze Klamotten haben. So als wolle ich 3 Jahre lang nichts Anderes anziehen.

 

Ha, grade fast 600 Euro für meine Mutti gespart. Ich hatte die Rechnung für den Friedhof hier schon überwiesen, nun erscheint derselbe Posten wieder auf der Rechnung des Bestattungsinstituts. Mutti hat mir die Rechnung am Tel. vorgelesen, und ich habe mich zum Glück erinnert. Sie hat gemeint, das kostet bestimmt auf beiden Seiten halt so viel, aber ich habe gesagt, nix, Du rufst jetzt an und fragst, wieso wir das 2x zahlen sollen. Und schwupps haben sie sich entschuldigt und schicken eine neue Rechnung minus dem Betrag. Mann. Überall wird man nur über den Tisch gezogen!

 

 

27.3.

Mutti war heute total deprimiert und schlecht drauf und weinerlich. Ostern muss sie nun ganz alleine feiern. Ich komme ja "nur" 3 Tage, aber erst am Ostermontag, damit sie auch 2 Wochentage Chauffeurdienste beanspruchen kann zu diversen Erledigungen. Ostermontag ist doch auch noch Ostern. Ich kann doch nicht nur dort sein! Sohn kann nicht mit, weil er an den Wochentagen Paukstudiounterricht hat und ansonsten jetzt für das Abitur lernt. Sie wollte ihn auch gar nicht dahaben. Den soll ich daheimlassen. Aber ich kann ihn doch nicht so lang allein lassen. Seufz. Der Papa kann sich ja jetzt nicht kümmern, wenn er nicht da ist... Am Montag mitnehmen und dann in den Zug setzen geht scheint‘s auch nicht, denn ausgerechnet für das Osterwochenende ist die Reparatur der Bahnverbindungsstrecke geplant, und es fährt überhaupt kein Zug. Mit dem Flughafenbus zum Flughafen fahren lassen und dann von dort mit der S-Bahn und der U-Bahn finde ich jetzt aber auch total kompliziert, dann noch am Abend. Aber ich muss am Mittwoch noch dort sein für Erledigungen. Und Dienstag hat sie den Gärtner eingeplant. Ein Dilemma.

 

3.4.

Mühsamer Tag bei Mutti. Schwierig.Lasst Euch einfach gesagt sein, dass es sehr schwierig ist mit jemandem, der bisland offenbar auf Händen getragen wurde und folglich keine Ahnung hat, dass es nett wäre, wenn man bei handwerklichen oder schmutzigen Arbeiten jemanden wenigstens in Rufweite hat, und dass man an der Kasse nicht nur zahlt, sondern auch noch Sachen aufs Band und nachher in den Wagen tut, und die Sachen auch nicht völlig von selbst ins Auto, ins Haus, in den Kühlschrank und in die Vorratskammer wandern. :-(( Manchmal komme ich mir wie der Butler vor. Und Chauffeur natürlich sowieso.

Gestern wär ich fast explodiert. Aber naja, dann hab ich mir gedacht, es lohnt sich auch nicht. Dann mach ich sie unglücklich. Sie merkt es einfach nicht. Sie hat all diese Sachen noch nie mitgemacht. Ob Papa das echt so wollte, dass sie gar nichts macht, oder ob er dran verzweifelt ist?

 

 

5.4. 21:46

 

Kann Mutti nicht erreichen. Ich hoffe, sie ist einfach müde und schläft. Allerdings ist es nicht normal, dass sie um 20 nach 8 abends schon einschläft! Schon zigmal angerufen.

 

05.04.2013 22:32:44

 

OK, Entwarnung. Habe die Putzfrau hinschicken können. Sie schläft nur so fest auf dem Sofa...

 

7.4.

So, weitere Traurigkeit wieder im Garten entrümpelt. Diesmal habe ich die Wegkante auf der drüberen Seite von Moos befreit, obwohl das Sache des Hausmeisters wäre.

 

10.4.

Heute endlich die Geschichte mit dem Grabstein für Papa regeln können. Das hat ja vielleicht lang gedauert!

 

11.4.

Positive Anmerkung heute: meine in letzter Zeit wahnsinnig ausgefallenen Haare (so viel Kummer) scheinen jetzt wieder nachzuwachsen. Am Haaransatz bin ich jetzt ganz stachlig. Eine kleine Spur Optimismus.

 

 

22.4.

Ich habe heute noch Psychoschulden entrümpelt oder so, d.h. Telefonate in Angelegenheiten Sterbefall, Frauengruppe zur Bearbeitung von Trauer und Leid am Nachmittag, und jetzt grade mit Mutti telefoniert, die nun mein Geschreibsel über Papas Misere gelesen hat. Sie hat gesagt, als sie den Satz gelesen hat, wie sie Papa gesagt hat, dass er fliegen darf, und dann ist er geflogen, wollte sie (heute beim Lesen) am liebsten mitfliegen und war so weit weg im Geist, dass sie das fast getan hat. In dem Moment hat das Telefon geläutet, und so wie ich damals grade anrief, als sie verbluten wollte und sie gerettet habe, war es heute ausgerechnet: G., der sich erkundigen wollte, wie es ihr geht (! hat er seit 7 Jahren nicht getan) und berichtete, dass am Friedhof der Stein aufgestellt ist (ich wusste das noch nicht mal!). Somit kann jeder Mensch letztlich noch zu was Gutem dienen, sogar G.!

Und Mutti hat dann sich entschuldigt für die Vorfälle, die ich beschrieben hatte, wo sie ausgerastet war. Und somit haben wir also heute einiges aufgearbeitet.

In der heutigen Gruppe haben wir eine Vertiefungsübung gemacht, wo wir mit Hilfe einer Fernbedienung (ein Bauklotz) unsere Situation in Gedanken umschalten, schwarz-weiß oder bunt machen, schneller oder langsamer laufen lassen konnten usw. Dann durften wir uns selber eine Taste vorstellen, und dass das passiert, was wir wollen, wenn wir draufdrücken. Ich habe mit der Fernbedienung einen Zeitsprung nach vorne gemacht, da ging es mir besser und ich war nicht mehr traurig. Und dann hieß es, wir sollten die Situation auf Passbildformat verkleinern und dann in Gedanken einen Ort, einen Schrank, eine Schublade oder sowas suchen, wo wir sie sicher wegschließen könnten, damit wir sie später wieder rausholen können, wenn wir sie brauchen. Ich habe gedacht - wieso soll ich die wieder rausholen wollen und hab sie in meiner Vertiefung mit Wucht in den Abfalleimer geschmissen. Danach bin ich direkt im Sitzen eingeschlafen und die anderen mussten mich wecken.

Somit habe ich also heute irgendwie doch was entrümpelt und habe das Gefühl, es ist genug.

 

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